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Donnerstag, den 02.07.2009 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Zoos und Tierparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Bruno brüllt: Ich wär so gern einmal ein Zoodirektor...


Hand aufs Herz - hatten wir nicht alle in unserer Kindheit eine Phase, in der wir Zoodirektor sein wollten? Ganz nahe zu den geliebten Tieren gehen zu können, sie zu betrachten oder - noch besser! - sie auch zu streicheln? Und den blöden Markus mit seinem teuren Handy bei der süßen Susi auszustechen? Man bräuchte ihr nur mal zu erlauben, einen Schimpansen zu füttern. Ein Schimpanse schlägt alles - zumindest bei Kindern! Und dann wurden wir erwachsen, aber einen Schimpansen füttern würden wir immer noch gern...

Natürlich ist das Füttern von Schimpansen im Zoo nicht erlaubt. Außer von denen natürlich, zu deren Aufgabengebiet das Füttern von Schimpansen gehört. Das hat gleich mehrere Gründe: Ein Schimpansenmagen wird nicht wirklich glücklich mit Goldbären, Bic Mäc, schimmeligem Brot oder Eis am Stiel. Ich glaube auch nicht, dass im Gegenzug Besucher auf Dauer glücklich wären mit Schimpansen, die am Gitter sitzen und die Hand aufhalten. Wo dieselben Besucher doch bei derselben Geste am Bahnhofsvorplatz gleich mit der Polizei drohen. Dass bettelnde Schimpansen auch aus verhaltensbiologischer Sicht besser andere "Hobbies" hätten, kommt noch hinzu. Vor allem aber sind Schimpansen sehr gefährliche Tiere, denen man besser nicht zu nahe kommt. Auch wenn uns das deutsche Fernsehen gerne etwas anderes weismachen möchte.

All dies weiß ein deutscher Zoodirektor natürlich - sollte man zumindest meinen! Doch der Direktor beider Berliner Zoos, Bernhard Blaszkiewitz, konnte der Versuchung nicht widerstehen. Mit einer Besuchergruppe im Schlepptau zog es ihn geradewegs zu den Schimpansen. Doch der Chef der Berliner Schimpansenhorde, ein gewisser Pedro, hatte kein Verständnis dafür, dass für einige Menschen die Zoodirektorenphase eben etwas länger dauert. Berlins oberster Tiergärtner büßte für den Fehler, die Affen vor Besuchern am Gitter füttern zu wollen, tragischerweise seinen rechten Zeigefinger ein.

So eine Verletzung wünsche ich niemandem, dennoch überwog am Anfang mein Ärger über diese unbedachte Aktion. In Zeiten massiver Zookritik ist so ein Vorfall Wasser auf den Mühlen dogmatischer Zoogegner. Umgeben von "Füttern verboten"-Schildern, diente Herr Blaszkiewitz noch dazu als äußerst schlechtes Beispiel vor den Dutzenden von Zoobesuchern, die Zeuge des Vorfalls wurden. Deshalb sollte diese Kolumne ursprünglich auch den Titel tragen: "Wasser predigen, Wein trinken". Doch in Kommentaren von Zeitungen, Organisationen und Stammtisch-Helden sind alle diese Punkte schon breit genug getreten worden. Was bleibt ist Mitfühlen (wegen der Schmerzen), Kopfschütteln (wegen der - Verzeihung, Herr Blaszkiewitz – Riesenblödheit) und...ja, auch ein wenig Verständnis. Denn obwohl ich schon lang erwachsen bin - ich würde so gern mal einen Schimpansen füttern...



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Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.


© parkscout/AK




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Tja, da bekommt das Wort "Fingerfood" eben eine völlig neue Bedeutung.. wenn es nicht so tragisch wäre würde man ja drüber schmunzeln, dass so etwas ausgerechnet Big B. passiert ist.

02.09.2009 08:43
Jennifer Weilguni




Ich bin der gleichen Meinung! Kann es zwar gut verstehen, da ich immer Tierpflegerin werden wollte ( und immer noch von ganzem Herzen werden will!!), aber ein Zoodirektor müsste doch als Vorbildfunktion anders handeln und über das Verhalten der Tiere besser Bescheid wissen!

04.07.2009 10:10
S. R.






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