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Donnerstag, den 14.12.2006 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Musicals und Shows und Magazin zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Cirque du Soleil: "Dralion"


Es gibt Veranstaltungen, die darf man einfach nicht verpassen. In diese Rubrik fällt eindeutig die Show "Dralion" des kanadischen Cirque du Soleil, die zur Zeit in Deutschland gastiert und den zahlreichen Nachahmern avantgardistischer Artistikpräsentationen mal wieder eindrucksvoll zeigt, warum der "Zirkus der Sonne" mit Fug und Recht als das Nonplusultra des modernen Zirkus gilt.

Zeit für Dralion?
Alleine schon die Bühne im Inneren des Hauptzelts überrascht mit ihren aufwendigen Lichtinstallationen, einer phantasievollen und wandelbaren Kulisse sowie zahlreichen kleinen Gimmicks, die im Laufe der Show zum Einsatz kommen: Hier verläßt man für fast drei Stunden die reale Welt und taucht ein in einen surrealen Traum, der von seltsamen und skurrilen Gestalten zum Leben erweckt wird. Die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft (verkörpert durch die göttlichen Gestalten Yao, Oceane, Azala und Gaya und die mit ihnen verbundenen Farben rot, grün, blau und ocker) bilden dabei den Rahmen für die Artistik- und Gesangsnummern, mit denen der Besucher im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert wird.

Daß die einelnen Artistik-Nummern bei "Dralion" auf absolutem Weltklasse-Niveau anzusiedeln sind, unterstreicht zusätzlich den hohen Anspruch des Cirque du Soleil. Sicherlich hat man die eine oder andere Darbietung schon einmal in ähnlicher Form irgendwo gesehen, aber eben noch nie in einer deratigen Perfektion und mit einer qualitativ dermaßen hohen Inszenierung. Als Beispiel mag hier die Jonglage von Viktor Kee aus der Ukraine dienen, der seine Bälle von der (geschätzte zehn Meter über ihm schwebenden) Göttin der Luft zugeworfen bekommt und sie mit spielerischer Leichtigkeit umherwirbeln oder über seinen Körper rollen läßt. Auch das wunderschöne Pas de Deux, bei dem Igor Arefiev und Claudel Doucet an einem blauen Band über die Bühne schweben, bleibt im Gedächtnis: Eine derart poetische Nummer sieht man nur sehr selten.




Artistik auf Glühbirnen

"Dralion" beherrscht aber keineswegs nur die ruhigen Momente - so sorgt das Element Feuer zum Beispiel für mächtig Tempo im Hauptzelt. Hier kommt vor allem klassisch asiatische Artistik zum Einsatz: Chinesische Gruppen balancieren fünf Meter lange geschmückte Bambusruten auf ihren Händen, Füßen und Köpfen oder demonstrieren, auf welche verschiedenen Arten man selbst durch die kleinsten Ringe springen kann. Auch die titelgebenden Dralions - eine Mischung aus Drachen und Löwen - sorgen mit ihren Kunststücken für Staunen. Sogar eine Weltpremiere gibt es bei "Dralion" zu sehen: Hier bilden sieben Artistinnen mehrere Formen einer menschlichen Pyramide. Der Clou dieser Nummer ist, daß dies in der Form eines Tanzballetts geschieht, bei dem die jungen Damen mit den Fußspitzen auf Glühbirnen (!) stehen.


Für die komischen Momente zuständig sind bei "Dralion" mehrere Clowns, die mit ihrem seltsamen und teilweise schon fast grotesken Erscheinungsbild als eine Art Bindeglied zwischen Realität und Phantasie dienen. Dabei versuchen sie immer wieder, die Besucher aus der Welt der Dralions zu reißen und karikieren diese Welt mitsamt ihrer Bewohner sogar bei ihrem letzten Erscheinen: ein kleiner, dramaturgischer Meistergriff.

Jonglage trifft auf Poesie
Neben den artistischen Leistungen konnte auch der Live-Gesang von Calvin Braxton und Agnes Sohier auf ganzer Linie überzeugen. Insbesondere Braxton mit seinen schier unerschöpflichen Tonvariationen sorgte dafür, daß die mit einer Phantasiesprache ausgestatteten Songs der Show eine kleine Gänsehaut erzeugten. Auch die speziell für "Dralion" komponierte Musik spielt auf höchstem Niveau: Nicht umsonst wurde der CD-Shop im Vorzelt nach dem Finale dicht belagert.

Fazit

Mit "Dralion" hat der Cirque du Soleil ein Programm nach Europa gebracht, das seinesgleichen sucht. Wer die Show einmal mit dem ebenfalls in diesem Jahr durch Deutschland tourenden "Afrika! Afrika!" vergleicht, merkt schnell, daß Produzent Andre Heller von den Kanadiern noch so einiges lernen könnte. Während seine Pseudo-Selbstdarstellung des afrikanischen Kontinents trotz weitaus höheren Eintritts und enormem Hypes letztendlich aufgrund vieler Mängel eher enttäuschte, zeigt "Dralion" dem Träumer Heller, wie ein Traum auszusehen hat. Grandiose Artistik, überbordende Kostümpracht, eine faszinierende Bühne mit oppulenter Lichttechnik, und all das vereint in einer phantasievollen und poetischen Geschichte: Um "Dralion" zu beurteilen, müßte ein neuer Superlativ gefunden werden - aber vielleicht gibt es diesen ja schon, und vielleicht heißt dieser ja auch einfach nur "Cirque du Soleil".

Wer sich "Dralion" noch anschauen möchte, muß sich beeilen: Die Show läuft leider nur noch bis zum 7. Januar 2007 jeweils dienstags bis sonntags in Neuss (Nähe Düsseldorf). Die Bestellung von Eintrittskarten und weitere Informationen finden Sie unter: www.cirquedusoleil.com.

© parkscout/MV, Bilder: Cirque du Soleil




 




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