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 © Semmel Concert / Juliane Bischoff
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Montag, den 02.03.2015 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Magazin und Musicals und Shows zu finden.

Elisabeth - das Musical


 © Semmel Concerts / Juliane Bischoff
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Roberta Valentini als Elisabeth
Fast 23 Jahre nach seiner Uraufführung im Jahre 1992 in Wien ist das Musical "Elisabeth" aus der Feder von Komponist Sylvester Levay und Autor Michael Kunze nicht mehr so skandalträchtig wie zu jener Zeit, als man die musikalische Verarbeitung der wahren Geschichte um Kaiserin Elisabeth "Sissi" von Österreich und Ungarn in ihrer Heimat fast schon als Vaterlandsverrat verurteilte. Trotzdem ist es heute immer noch eines der besten Musicals unserer Zeit mit kraftvollen Songs und einer gleichermaßen bewegenden und mitreißenden Story.

Die eigentliche Hauptfigur des Stücks ist der Anarchist Luigi Lucheni, der die Kaiserin im Jahre 1898 in Genf ermordete und heute vor einem übernatürlichen Gericht steht, um sich seiner Tat zu verantworten. Dabei beruft er sich darauf, dass sie sich den Tod herbei gewünscht hätte, da sie in ihn verliebt gewesen sei. Um seine Anschuldigungen zu beweisen, ruft Lucheni die Protagonisten jener Zeit als Zeugen herbei und lässt die seiner Meinung nach moralisch verdorbene Habsburgerzeit ein letztes Mal auferstehen, um dem verkitschten Schwindel rund um Sissi die Maske abzureißen.

Bis 22. März in Essen

Nach der erfolgreichen Premiere in Essen im Jahre 2001 und folgenden Stationen in Stuttgart und Berlin sowie zwei rund sechsmonatigen Deutschlandtourneen ist "Elisabeth" nun wieder zu seiner deutschen Geburtsstätte zurückgekehrt und wird noch bis zum 22. März im Essener Colosseum-Theater zu sehen sein. Jeder, der noch niemals die Chance hatte, das Musical live auf einer Bühne erleben zu können, sollte sich sofort eine Eintrittskarte besorgen, da es wie schon erwähnt zweifellos zu den besten seiner Art gehört und sich wohltuend von den gerade in letzter Zeit so forcierten "Spaß-Musicals" abhebt. Wer hingegen das Glück hatte, die Produktion in den Jahren 2001 bis 2003 mit Pia Douwes und Uwe Kröger zu sehen, könnte indes etwas Probleme mit der Modernisierung der Inszenierung haben.

 © Semmel Concerts / Juliane Bischoff
© Semmel Concerts / Juliane Bischoff
Eine fröhliche Apokalypse
Diese beginnt gleich damit, dass weitestgehend auf Kulissenaufbauten verzichtet wird, und stattdessen eine Leinwand hinter dem Geschehen mit einer Projektion zum Leben erweckt wird. Teilweise funktioniert dies auch wirklich fabelhaft – zum Beispiel bei der Hochzeit von Elisabeth, wo man mit Hilfe dieser Technik mitten hinein in eine Kirche katapultiert wird. Leider wird dieses Mittel aber etwas über Gebühr strapaziert und verfehlt dadurch das eine oder andere Mal seine Wirkung völlig – als Beispiel seien hier nur in das Bild hinein fliegende Postkarten von Ischgl genannt. Warum sich Elisabeth und Kaiser Franz Joseph auf dem projizierten Prater Riesenrad treffen, mag einem auch etwas rätselhaft vorkommen, da dieses erst im Jahre 1897 eröffnet wurde. Wenn man sich auf historisch korrekte Fakten beruft, ist dies ein unnötiger Fauxpas.

Atemberaubend hingegen ist Roberta Valentini als österreichische Kaiserin, die zwischen Kindlichkeit, Sturheit und Selbstverzweiflung schwankt. Die 33jährige Darstellerin, die schon in Stuttgart und Oberhausen als alternierende Elphaba in "Wicked" und in Bremen als "Marie Antoinette" überzeugen konnte, liefert bei "Elisabeth" eine bravouröse Leistung ab mit der gesamten Palette der für das Stück notwendigen Emotionen. Mark Seibert hat es als Tod sichtbar schwer, die Klasse von Valentini zu erreichen – seine Interpretation wandelt stets auf einem schmalen Grat zum Pop-Schlager, den er leider manchmal auch überschreitet. Ob einem diese Art des Gesangs nun zusagt oder nicht, mag aber jeder für sich selbst entscheiden – immerhin erhielt Seibert im Jahre 2014 eine Auszeichnung als zweitbester Musical-Sänger Deutschlands. Kurosch Abbasi gibt den Luigi Lucheni und Angelika Wedekind brilliert erstmalig als strenge und machthungrige Erzherzogin Sophie.

Fazit

Für Puristen mag die Inszenierung von Regisseur Harry Kupfer mit ihren modernen Ansätzen, der fehlenden schrägen Anhebung der Bühne und dem multimedialen Neuanstrich nicht dem künstlerischen Anspruch der Essener Premierenfassung entsprechen, aber es muss die Frage gestattet sein, ob es nicht legitim ist, ein Stück zu aktualisieren und es ein wenig dem Zeitgeist anzupassen – ein Problem, das nicht erst seit den Neufassungen von George Lucas "Krieg der Sterne" existiert. Wenn man unvoreingenommen an die dritte Tournee-Version von "Elisabeth" herangeht, erwartet den Besucher immer noch ein musikalisch eindrucksvolles Werk mit einem intellektuellen Anspruch, der heute noch genauso fasziniert wie vor rund 14 Jahren bei der Deutschland-Premiere.

© parkscout/MV




 




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