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Freitag, den 28.10.2005 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Es weihnachtet sehr


Der deutsche Einzelhandel hat schon seit geraumer Zeit entdeckt, daß Spekulatiusgebäck und Honigprinten auch schon im Herbst reißenden Absatz finden, während die ersten Schokoladenhäschen sich spätestens zu Silvester ein Stelldichein in den vollgepackten Regalen der Lebensmittelabteilungen großer Warenhäuser geben.

Man soll die Feste ja bekanntlich feiern, wie sie fallen. Diese alte Weisheit hat allerdings nicht mit dem cleveren Kalkül jener Marketingstrategen gerechnet, die uns erfolgreich weisgemacht haben, daß Jesus Christus nicht am 24. Dezember, sondern wahrscheinlich schon weit vor Allerheiligen das Licht der konsumfreudigen Welt erblickt haben muß.

Kein Wunder also, daß auch Freizeitparks inzwischen eine Winteröffnung in ihr Angebot aufgenommen haben. Während sich die einen Parks wie beispielsweise das niederländische Efteling dem eigentlichen Thema der Jahreszeit angenommen haben, setzen andere indessen immer stärker auf die heimelige Glückseligkeit von Weihnachten: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.

Solange dies in der eigentlichen Adventszeit geschieht, ist ja prinzipiell nichts daran auszusetzen. Ganz im Gegenteil kann es wirklich zu emotional beeindruckenden Erlebnissen kommen, wenn man bei klirrender Kälte und festlicher Musik in einem Lichtermeer plötzlich den Weihnachtsmann leibhaftig erscheinen sieht.

Wird man hier allerdings bei fluffigen 20 Grad mit einem choralen “Schneeflöckchen Weißröckchen“ begrüßt, erheben sich doch leichte Zweifel, ob Sinn und Sinnlichkeit wirklich noch gewahrt bleiben. Ein kurzer Blick auf den Kalender beweist dem ungläubigen Besucher, der bei der Kombination T-Shirt und “Leise rieselt der Schnee” leicht irrtiert ist, daß der November gerade erst begonnen hat – da muß schon die Frage erlaubt sein, warum sich der Weihnachtsmann zu dieser Zeit nicht am Nordpol aufhält, sondern bei angenehmen Temperaturen in kompletter Montur durch einen Freizeitpark schlurft. Und auch das traditionelle Einschalten der Weihnachtsbaumbeleuchtung in manchen Parks wirkt irgendwie in der Vor-Adventszeit wie ein Karnevalskostüm am Totensonntag.

Vielleicht aber sollte man derartige verfrühte Weihnachtsemotionen auch einfach nur als das nehmen, was sie wirklich sind: Aufwendige Konsum-Happenings, die, wenn man sich auf sie einläßt, durchaus Spaß machen. Wer ein Faible für Kitsch und Kommerz hat, bekommt durch eine derartige Wintersaison in einem Freizeitpark garantiert einen noch größeren Emotions-Overkill als bei jedem durchschnittlichen Weihnachtsmarkt. Allerdings sollte man sich auch über eines im klaren sein: Mit dem oft beschworenen “Geist der Weihnacht” hat eine solche Veranstaltung nicht das geringste zu tun – aber eventuell macht das ja gerade ihren Reiz aus...



Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Mike Vester

Mike Vester, 51, beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema Freizeitparks / Kirmes und gehört heute zu den wichtigsten Autoren der Parkscout-Fachredaktion. Sein Hang zu Polemik und Übertreibungen ist zwar legendär, aber wer genau hinhört, merkt schnell, daß er mit seinem Motto "zeitlos, stillos, geschmacklos" zwischen den Zeilen immer genau den Punkt trifft. Der frühere Kleinkunst-Texter ist überzeugter Fan von allem, was mit dem Thema "Disney" zu tun hat und läßt dies auf seine liebenswert schrullige Art auch sicherlich öfter in seine Kolumne einfließen. In diesem Sinne also: Immer vester druff...



© parkscout/MV



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