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Freitag, den 20.01.2006 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Games Over?


Daß ein Freizeitpark einen nicht ganz unerheblichen Teil seines Umsatzes auch mit Merchandising und Gastronomie generiert, dürfte eigentlich jedem klar sein. In letzter Zeit tritt aber eine weitere Gewinnoptimierungsmaßnahme immer häufiger auf den Plan, die sich leider allzu oft negativ auf das Gesamtbild auswirkt: Die Rede ist von Gewinnspielen, oder auch neudeutsch „Games“.

Okay – die Aussicht auf einen schmucken Preis ist sicherlich durchaus für den einen oder anderen Besucher sehr reizvoll, aber müssen Games-Buden wirklich derart aufdringlich präsentiert werden, wie es so mancherorts der Fall ist? Ganz sicher waren die alten Helden des Wilden Westens einem kleinen Spiel zwischendurch auch nicht ganz abgeneigt – aber zu den Zeiten von Buffalo Bill und Billy the Kid war da eher eine gepflegte Runde Poker im Saloon angesagt und nicht das Erschlagen von Maulwürfen aus Plaste. Auch ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, daß zu den damaligen Zeiten ein Pianospieler für das passende musikalische Ambiente gesorgt hat und keine Jingles der Village People. Obwohl – da war ja ein Cowboy dabei, paßt also auch irgendwie...

Die Alternative zu solchen Daddelständen an den Wegen ist das komplette Einhausen, also sozusagen eine Art Spielhalle, vorzugsweise mit Videogames älterer Bauart, in den Freizeitparks. Dagegen wäre eigentlich nichts zu sagen, hätte so mancher Park nicht bemerkt, daß der Besucher dazu neigt, solche Einrichtungen frecherweise einfach zu ignorieren. Die Lösung: Gäste werden bei einer Attraktion einfach beim Verlassen durch solche Arcade-Hallen geleitet – machmal muß man halt zu seinem Glück gezwungen werden. Und mal ganz ehrlich: Wer hat noch nie nach einer Reise in eine versunkene Stadt das dringende Bedürfnis gehabt, bei einem Flippergerät den Highscore zu knacken – auch wenn dazu kein „YMCA“ geträllert wird.

Aber kommen wir zurück zu den normalen Spielebuden. „Gewinne, Gewinne, Gewinne“ lautet hier das Motto – das System ist überall ähnlich: Viele Leute zahlen fürs Mitmachen und einer räumt dabei den Hauptpreis ab. Zu dumm nur, daß man bei so manchen dieser Gewinne eher den Titel eines Tom-Hanks-Klassikers zitieren mag: „Geschenkt ist noch zu teuer“. Während einige Freizeitparks erkannt haben, daß der Besucher etwas Hochwertiges oder zumindest vermeintlich Originelles sein Eigen nennen möchte, gibt es bei anderen als Hauptgewinn eher etwas aus der großen Palette von Trödel-Ottos Reste-Rampe. So verwundert es kaum, daß zum Beispiel die Glücksräder im schwedischen Liseberg voll ausgelastet sind, bei denen es unter anderem 1 Meter lange Schokoladentafeln namhafter Hersteller abzugreifen gibt, während hierzulande ähnliche Buden, bei denen höchstens ein kleiner, häßlicher Plüschteddy mit „I love you“-Schriftzug auf einen neuen Besitzer wartet, eher zum Rohrkrepierer mutieren.

Games können Freizeitparks einen fetten Umsatz liefern, keine Frage. Aber es kommt dabei sehr auf die allgemeine Präsentation und vor allem die Qualität der Gewinne an. Zu offensiv betriebene Spielbuden sorgen meist eher für Unmut bei den Besuchern und sind wahre Atmosphäre-Killer, vor allem in ausgewiesenen Themenparks. Qualitativ unansprechende Hauptpreise sorgen für gähnende Leere an den Games, was dann im schlimmsten Fall zu einer Ausweitung des letzten Punktes führt. So ökonomisch sinnvoll Spielbuden für einen Park auch sein mögen – die Bedürfnisse der Besucher dürfen dabei jedoch niemals in den Hintergrund rücken, sonst können sie leicht zu einem Bumerang werden...







Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Mike Vester

Mike Vester, 51, beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema Freizeitparks / Kirmes und gehört heute zu den wichtigsten Autoren der Parkscout-Fachredaktion. Sein Hang zu Polemik und Übertreibungen ist zwar legendär, aber wer genau hinhört, merkt schnell, daß er mit seinem Motto "zeitlos, stillos, geschmacklos" zwischen den Zeilen immer genau den Punkt trifft. Der frühere Kleinkunst-Texter ist überzeugter Fan von allem, was mit dem Thema "Disney" zu tun hat und läßt dies auf seine liebenswert schrullige Art auch sicherlich öfter in seine Kolumne einfließen. In diesem Sinne also: Immer vester druff...



© parkscout/MV



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