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Freitag, den 07.05.2010 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Musicals und Shows und Magazin zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

GOP Variete Essen: Tierisch Gut!


Bauchredner Frank Rossi & Moderator Helmut Sanftenschneider
Was darf man von einer Show im GOP Variete Essen halten, die den viel versprechenden Namen "Tierisch Gut" trägt? Die Antwort gab es zur Premiere am 6. Mai 2010 - und um es schon einmal vorweg zu nehmen: der Name ist hier durchaus Programm!

Die Moderation des Abends übernahm Helmut Sanftenschneider, der mit lockerem Mundwerk durch die Show führte. Mit Hilfe einer Gitarre konnte er problemlos in einer stilisierten Fußgängerzone auf der Bühne beweisen, das selbst bekannte Ruhrpott-Songs auf den Grundakkorden des spanischen Flamenco basieren oder dass die Mitwirkung von Personen aus dem Publikum seine Neuinterpretation von George Bizets Oper "Carmen" zu einem großen Spaß für alle Anwesenden machen. Auch seine Gespräche mit dem Bauchredner Frank Rossi, der aus normalen Gegenständen des Alltags Kaninchen oder Geier zaubert und ihnen seine Stimme leiht, waren zugleich witzig, leicht melancholisch und trieben die Story der Show, nämlich eine Art soziologischer Betrachtung des Treibens in einer beliebigen Fußgängerzone in Deutschland, weiter voran.
Duo Blind Date
Dort trifft man zum Beispiel den 50jährigen Konstantin Dementiev, der als schüchterner Bürohengst mit Halbglatze, viel zu großem Jackett, einem Aktenkoffer und einer roten Rose auf ein "Blind Date" wartet, das sich als dominaesque Femme Fatale mit Peitsche in der Hand entpuppt. Zusammen mit Svetlana Dementieva zeigt er eine anarchistische Partnerakrobatik-Nummer. Und wenn er schließ- lich widerwillig von der schönen Unbekannten wie bei einer Tierdressur gezwungen wird, eine Rola-Rola-Nummer vorzuführen, ist dies nicht nur technisch absolut hochklassig, sondern dazu auch noch dank der ausgefeilten Mimik der beiden ungemein witzig.

Aber in der Fußgängerzone tummeln sich natürlich noch mehr Menschen. So hat Helmut Sanftenschläger ein Auge auf die grobschlachtig wirkende Metzgerei-Fachverkäuferin Lena Gutschank geworfen, die sich nach der Arbeit als grazile Kontorsionistin entpuppt und ihren Körper sowohl am Boden als auch am Luftreifen auf poetische Weise an seine Grenzen bringt. Nummern dieser Art gibt es sicherlich viele, aber selten wird dabei Akrobatik und Ästhetik auf eine derart schöne Weise in Einklang gebracht. Auch ihr "Bruder" David Confal, ein gerade einmal achtzehnjähriger Schüler, der nachmittags für sein Abitur lernt und abends auf der Bühne zu hämmernden Hip-Hop-Beats bis zu vier Diabolos gleichzeitig durch die Luft jongliert, kann vollauf überzeugen.

Neben einer temporeichen Hula-Hoop-Nummer von Alla Klyshta, die ebenfalls in der Fußgängerzone im GOP Variete Essen zu finden ist, überzeugt auch die Hand-Equilibristik des 33jährigen Alexander Veligosha. Der Gewinner der Silbermedaille beim renommierten Festival du Cirque de Demain, auch bekannt als "devil on one arm", zeigt an zwei Stangen auf einer rund zwei Meter hohen Turmpyramide eine durchaus eigenwillige Interpretation dieser traditionsreichen Artistik, die seine Darbietung weit über den "normalen" Rahmen einer Equilibristik hinaus trägt - seine clownesque Schminke und sein phantasievolles Kostüm lassen den Besucher ohnehin an den weltberühmten "Cirque du Soleil" denken.

Die "Zebras"
Highlight des Abends ist der Auftritt der "Zebras" - eine fünfköpfige Formation aus Moskau um den Welt- und Europameister der Sportakrobatik Viacheslav Novichikhinim. In Kostümen der schwarz-weißen afrikanischen Huftiere zeigt das Quintett zu Trommeln und Klängen des Schwarzen Kontinents menschliche Pyramiden, bei denen sich die einzelnen Zebras gegenseitig durch die Luft werfen und dabei alle Grenzen der Physik scheinbar auflösen. Alleine die originelle Präsentation und die Darstellung von "tierischen" Verhaltensweisen sind ein optischer Genuss – dass die gezeigte Nummer akrobatisch auch noch höchst anspruchsvoll ist, setzt dem ganzen sozusagen noch die Krone auf.

"Tierisch Gut" ist ein unglaublich ausgewogenes Programm, das sich keine Schwächen leistet. Die einzelnen Artistik-Nummern überzeugen ausnahmslos, die Moderation ist kurzweilig und unterhaltsam, die Bühnentechnik des GOP Variete Essen wird gut ausgenutzt und die gesamte Inszenierung ist dramaturgisch äußerst geschickt – kein Wunder also, dass die Show schon in den anderen Theatern der GOP-Gruppe erfolgreich lief. Weitere Informationen zu den Showzeiten und Eintrittspreisen finden Sie im Internet unter www.variete.de.




© parkscout/MV




 




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