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Dienstag, den 27.05.2008 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Herre sagt an … die Bahn läuft gut – wenn sie läuft.


Bei Achterbahnen und Karussells heißt es schon seit Jahren "höher, schneller, weiter". Doch im Zuge immer komplizierterer Technik auch leider "seltener" – denn die Ausfallzeiten so mancher Großattraktionen übersteigen oft die Tage, an denen sie problemlos laufen. Ärgerlich für die Parks – noch ärgerlicher für die Gäste.

Prominentestes Beispiel innerhalb Europas der letzten Jahre ist sicherlich der Vekoma Giant Invertigo "Stunt Fall" – ein Stunt, den Warner Brothers Movie World Madrid sich bestimmt gerne erspart hätte. Der Autor dieser Zeilen kennt Leute, die den spanischen Park bereits vier Mal besucht haben, aber noch niemals in den Genuss der thrilligen Fahrt aus Holland gekommen sind. Und wenn man sich das komplizierte Seilsystem anschaut, mit dem der Zug auf die beiden fast 60 Meter hohen Türme des gigantischen Boomerang-Coasters gehievt wird, wundert einen die peinliche Performance der Anlage kein bisschen. Schade, denn die Bahn ist – wenn sie läuft – ein echtes Highlight.

Noch unangenehmer sind natürlich Ausfallzeiten über mehrere Monate. Freifall-Turm-Motoren, die, müssen sie plötzlich ausgewechselt werden, 4 Monate Lieferzeit (= die halbe Saison) haben und aus ehemaligen Spitzen-Attraktionen monumentale Investitionsruinen machen, sind weder für Park noch Publikum tragbar. Wasser-Achterbahnen, die Wochen brauchen, bis sie überhaupt das erste Mal die Strecke schaffen und sich auch deshalb über ein Jahr verspäten – nur um auch in der folgenden Saison nicht gerade mit großer Zuverlässigkeit zu glänzen, sind schlicht peinlich. Vor allem für den Park, der sonst mit absoluten Top-Attraktionen zu begeistern versteht.

Tja: Prototypen sind natürlich immer besonders anfällig für Ausfälle – und wenn das neue Achterbahnkonzept eines Herstellers, der eigentlich für seine solide laufenden Seilbahnen bekannt ist, mit einem satten Jahr Verspätung an den Start geht, hat auch jeder versierte Parkfan Verständnis und wartet gerne. Wenn aber nur 14 Tage nach der offiziellen Eröffnung die Attraktion schon wieder die Beine streckt und sogar die national laufende TV-Kampagne vom Sender genommen werden muss, wird’s irgendwie langsam lächerlich. Klar, das System ist innovativ. Aber es soll dem Park ja schlussendlich in erster Linie Geld bringen. Und keine negativen Schlagzeilen.

Und wenn es schon soweit kommt, dass große US-amerikanische Parkbetreiber ihre pflege- und reparaturbedürftigen Katapult-Achterbahnen in den Nahen Osten veräußern, weil sie den Rattenschwanz der Folgekosten schlicht und ergreifend nicht mehr zu zahlen bereit sind, muss man sich langsam fragen, ob aus "höher, schneller, weiter" nicht lieber "solider, verlässlicher, öfter" werden sollte. In diesem Sinne: Wir sehen uns im Park!




Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Tim Herre

Tim Herre, 40, ist seit der Grundschulzeit absoluter Park- und Kirmesfan und in der deutschen Szene seit vielen Jahren eine feste Größe. In einschlägigen Freizeitpark-Foren ist Tim unter dem Pseudonym "The Knowledge" aktiv - und ebenso geliebt wie gehasst, geschätzt für sein Wissen und gefürchtet für seine spitze Feder. Dies wird noch zusätzlich durch die Tatsache aufgeladen, dass er nur selten gewillt scheint, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. International bekannt ist er durch seine Tätigkeit als freier Autor des Fachmagazins "Kirmes & Park Revue" und als Buchautor für die parkscout Freizeitführer "Freizeitparks in Europa". Im täglichen Leben ist der deutsche Repräsentant des "European Coaster Club" Texter und Konzepter bei einer großen Düsseldorfer Agentur.



© Parkscout TH




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Am meisten ärgerlich ist es wenn man bis nach Belgien fährt und dann einen von seiner Menge an Achterbahnen lebenden Park mit nur 2/3 Kraft öffnet. Kein ermäßigter Eintritt, keine Bemühungen etwas zu rparierern, nur Mitarbeiter die sich die Beine in den Bauch stehen, um ankommenden Gästen zu verstehen zu geben versuchen: Heute nicht. Zu meinem Vorredner möchte ich noch hinzufügen, dass die störanfälligsten Elemente in den beiden Bahnen auch noch so unspektakulär im Fahrerlebnis sind als das sie medienwirksam sind. In den Niederlanden vertickt man einfach den Zug eines Boomerangs und schließt die eigene Anlage für mehr als ein Jahr. Also nicht immer sind es die Hersteller, sondern auch häufig das Management, die schon lange die Sichtweise der Besucher verloren haben. Wir müssen uns nunmal damit abfinden, dass die Heuschrecken die Freizeitparks für sich entdeckt haben. Ausnahmen bilden bis jetzt noch die familienbetriebenen Parks. Hoffentlich honorieren dies die Besucher auch weiterhin, damit sie in ihren Bestrebungen "einen unvergesslichen Tag" zu schaffen weiterhin bestätigt werden. Denn nicht nur "höher, schneller, weiter" und "solider, verlässlicher, öfter" sondern auch "schöner, liebevoller, passender" müssen Adjektive sein die im Wortschatz nicht verloren gehen sollten.

28.08.2008 00:58
Björn Liffers




Ich selbst hatte schon eine böse Erfahrung im Phantasialand: Ausnahmezustand in Wuze Town. Die Winjas Fear fuhr gar nicht mehr, sodass alle Fahrgäste, die für diese Bahn warteten, auf die Winjas Force umgeleitet wurde. Dadurch verdoppelte sich die Wartezeit - unerträglich.

Wenig später blieb der Wagen mit mir dann im Aufzug stecken - das passiert hier offensichtlich öfters. Das einzige, was an diesem Tag in Wuze Town reibungslos fuhr, war das Tittle Tattle Tree...

Übrigend nicht verwunderlich: Die Winjas sind von technischer Seite die aufwändigsten Bahnen in diesem Park: Kippelemente, Klotzbremsen, Aufzüge, Drehwagen, Beschleuniger, etc. bis auf Inversionen ist hier fast jede Idee verbaut. Aber ob das wirklich ideal ist? Ich bin mir da nicht ganz sicher...

09.07.2008 03:22
Sebastian Sp.






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