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Freitag, den 28.07.2006 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Herre says "Howdy": Dienst ohne Leistung


22 Parks ins 17 Tagen: Das Programm der "American Adventure" betitelten USA-Tour des European Coaster Clubs hatte es in sich. Und natürlich gab es ausreichend Kuriositäten zu beobachten, über die unser Kolumnist hier in den kommenden Wochen berichten wird.

Oft wird sie beschworen, die angeblich so perfekte Dienstleistungs-Gesellschaft in den USA. Und ebenso oft wird die angeblich so mangelhafte Einstellung der Deutschen zum Dienst am Kunden angeprangert. Dass es auch anders gehen kann, wurde uns bei unserer Tour durch die USA deutlich.

In den meisten Parks ist allerdings alles perfekt. Besonders die kleinen, familiengeführten Unternehmen sind in der Regel vorbildlich auf den Kunden eingestellt. Von wirklicher Herzlichkeit bis zum perfekt auswendig herunter gespulten "You’re welcome" ist alles dabei. In manchen Parks – und der geneigte Leser kann sich bestimmt denken, wie viele Flaggen über ihnen wehen – war die Einstellung des Personals aber so dermaßen schlecht, dass man sich als Gast eher als unerwünschtes Objekt fühlte, welches die Mitarbeiter beim Quatschen, Herumhängen und SMS-Tippen stört. Und das mitten in den USA, dem Land mit dem angeblich besten Kundenservice der westlichen Welt.

In Six Flags Great Adventure durfte zum Beispiel ein Teenager arbeiten, der die "Batman – The Ride"-Schulterbügel mit einer dermaßen lustlosen Vorstellung zudrückte, dass es einem beim Zuschauen ehrlich schmerzte. Jerome, so hieß das wenig lebhafte Kind, schaffte es, dass der zweite Zug über eine Minute im Dunkel der Schlussbremse auf die Abfahrt des ersten Zuges warten musste, weil Jerome augenscheinlich lieber vor der Playstation oder im Freibad gewesen wäre, als seinen Job an der Achterbahn in einem höheren Tempo als Superzeitlupe zu erledigen. Dabei hing selbstverständlich seine Hose auf halb 9, sein Six-Flags-Poloshirt schlabberte siffig um die Hüften und alle paar Minuten wischte er sich die triefende Nase am Unterarm ab. Ja, Jerome hatte anscheinend keinen guten Tag. Nur wäre er mit dieser Arbeitseinstellung lieber gleich zu Hause geblieben, anstatt seine miese Laune auf seine Kollegen zu übertragen, die dem Champ of Nullbock zwar nicht ganz das Wasser reichen konnten, aber durchaus eine ähnliche Performance an den Tag legten. So depressiv stellt man sich nicht mal Gotham City vor, und Six Flags muss sich fragen, warum solche Pfeifen überhaupt beschäftigt werden. Wir haben gefragt, und als Antwort bekommen, dass sie einfach keine besseren Saisonkräfte kriegen. "We’re aware of the problem" hieß es, " but there’s nothing we can do. We wouldn’t get anybody else." – Freifahrtschein für Jerome und seine schlurfenden Kollegen. Ein schwacher Trost, dass es im selben Park auch anders geht: Die Crew von "Nitro" war das genaue Gegenteil und fertigte die Bahn mit guter Laune und in einem Höllentempo ab. Hier sollten Jerome und seine Slow-Motion-Buddies mal in die Nachschulung gehen.

Aber natürlich konnte diese Minderleistung noch getoppt werden, und natürlich konnte dies nur von einem anderen Park unter den sechs Flaggen geschehen: in Six Flags over Georgia nämlich. Den Vogel abgeschossen hatte hier Serita, die an dem Vekoma Giant Invertigo "Deja Vu" beschäftigt war. "War" deshalb, weil uns das Management glaubhaft versicherte, dass der damalige Tag nun wirklich ihr "final day" gewesen sei und man sich ihre Kapriolen nicht länger bieten lassen wolle. Doch was war geschehen?

Wir standen mit einer Vierergruppe ganz vorn in der Warteschlange besagter Achterbahn. Es wurden immer nur exakt so viele Leute in die Station gelassen, wie in einen Zug passen – ein "front of line" bedeutet hier also freie Platzwahl, was entsprechende Vorfreude auf die begehrten Frontseats bei uns auslöste. Tja, da kam eine Familie, die einen "Flash Pass" – eine Art Pager, mit dem man sich die normale Warteschlange sparen kann – ihr eigen nennen konnte, durch einen Seiteneingang auf die Plattform. Keine Gefahr dachten wir, schließlich steht in den Flash-Pass-Regeln ziemlich eindeutig, dass es "no preferred seating" gibt. Als die Familie sich trotzdem vor uns, die wir noch immer an der Absperrkette warteten, die Fronseats krallen wollte, haben wir natürlich erstmal lautstark protestiert, was die Flash-Passler auch einsahen und sich woanders anstellten. Serita, das Goldstück, erlaubte es den Flash-Pass-Inhabern dann aber ausdrücklich, obwohl dies eindeutig gegen die Regeln war. Schwupps waren die Frontseats weg. Und das Schönste: sie verzichtete ebenfalls nicht darauf, dies mit einem süffisanten Grinsen in unsere Richtung zu quittieren. Volle Absicht also. Einfach, um uns zu verarschen. Danke, Serita! Wir hoffen, dein neuer Job in irgendeinem McDonald’s macht dir mehr Spaß. Und wir hoffen, dich nie wieder in irgendeinem Freizeitpark zu sehen. In diesem Sinne: Wir sehen uns im Park!





Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Tim Herre

Tim Herre, 40, ist seit der Grundschulzeit absoluter Park- und Kirmesfan und in der deutschen Szene seit vielen Jahren eine feste Größe. In einschlägigen Freizeitpark-Foren ist Tim unter dem Pseudonym "The Knowledge" aktiv - und ebenso geliebt wie gehasst, geschätzt für sein Wissen und gefürchtet für seine spitze Feder. Dies wird noch zusätzlich durch die Tatsache aufgeladen, dass er nur selten gewillt scheint, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. International bekannt ist er durch seine Tätigkeit als freier Autor des Fachmagazins "Kirmes & Park Revue" und als Buchautor für die parkscout Freizeitführer "Freizeitparks in Europa". Im täglichen Leben ist der deutsche Repräsentant des "European Coaster Club" Texter und Konzepter bei einer großen Düsseldorfer Agentur.



© Parkscout / TH



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