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Freitag, den 27.01.2006 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Der zweite Eintritt


Autofahrer haben’s wirklich nicht leicht: Sprit und Versicherungen werden laufend immer teurer, die Belastungen mehr, Parkplätze dagegen immer seltener. Wie gut, dass Freizeitparks zumeist ausreichend Parkraum zur Verfügung stellen. Den lassen sie sich allerdings auch immer teurer bezahlen ...

Schon Goethe wusste es: "Amerika, du hast es besser." Auf den Benzinpreis bezogen hat der große deutsche Dichter damit sogar heute noch Recht. Doch nimmt man einmal die Parkplatzgebühren unter die Lupe, so muss man der alten Welt doch attestieren, dass es auf dieser Seite des großen Teichs noch etwas entspannter zugeht, schließlich dürfen die Chauffeure im Land der unbegrenzten Parkgebühren noch tiefer in die Tasche greifen als ihre Kollegen in Europa. 10 Dollar werden auf den die Parks umgebenden Betonflächen nicht selten für die Deponierung des Autos aufgerufen, bequemer Transport zum Eingang per Bus, Tram oder sonstigem People Mover ist hingegen kaum zu finden. Während in innerstädtischen Locations wie den Universal Studios Hollywood derartige Mondpreise noch ansatzweise nachzuvollziehen sind, kann man auf dem Vorort-Acker mancher Six-Flags-Parks nur schwerlich verstehen, warum man gerade den gleichen Betrag durch das Seitenfenster gereicht hat, den der Freizeitpark Schloss Beck als Eintritt nimmt. Doch in der Stimmung von Vorfreude auf einen Tag unbeschwerten Vergnügens sind die meisten von uns bereit, so ziemlich alles durchs Fenster zu reichen, Hauptsache schnell den Wagen parken und rein in die Spaßwelt. Das hat viele Parks, besonders in den USA, dazu veranlasst, klammheimlich immer höhere Parkgebühren zu verlangen.

Vorsicht: Parken!
Den Bogen eindeutig überspannt haben jüngst bereits erwähnte Parks, über welche die sechs Flaggen wehen. Deren neuer Boss Daniel M. Snyder hat nach feindlicher Übernahme als erstes die Parkgebühren von ohnehin dreisten 10 Dollar auf rekordverdächtige 15 geschraubt – und zwar landesweit! Im gleichen Atemzug sollte ursprünglich der kostenlose Wiedereintritt am gleichen Tag per Handstempel abgeschafft werden, doch diese absurde Kundenunfreundlichkeit verschwand so schnell wieder von den Six-Flags-Webseiten, wie sie gekommen war. Die neuen Parkgebühren allerdings blieben.

Auch hierzulande hat man schon von dieser Chance auf eine lukrative Nebeneinnahme Wind bekommen. Europaweiter Spitzenreiter ist hier sicherlich der englische Park Alton Towers, wo für "preffered parking" muntere 10 Britische Pfund aufgerufen werden – und "preferred" bedeutet hier nur einen Platz in der Nähe des Eingangs ohne die sonst obligate, aber kostenlose Monorail benutzen zu müssen. Normalsterbliche zahlen immer noch 4 Pfund, was angesichts der Preferred-Frechheit fast schon als Schnäppchen durchgeht.

In Kontinentaleuropa ist man "erst" bei 8 Euro angelangt – Disney ist hier Vorreiter, bietet allerdings auch einen vorbildlichen Parkplatz mit überdachten Förderbändern zum Eingang. Dichtauf ist die ehemals von Six Flags betriebene Star Parks Gruppe, die bis zu 7 Euro verlangt. In Holland, wo um den dortigen Star Park "Walibi World" viele Campingplätze zu finden sind, werden um die Parkgebühr zu sparen bereits munter die Besucher-Parkzonen der Zeltstädte zugeparkt, was angesichts der Schlagloch-verseuchten Buckelpiste, die man in Biddinghuizen frecherweise mit dem Wort Parkplatz betitelt, auch gesünder für Mensch und Maschine ist. Oder haben die Niederländer ganz heimlich den vorgelagerten Themenbereich "Dakar-Rallye" eröffnet? Man weiß es nicht …

Wie wohltuend sind da die wenigen Parks, die überhaupt keine Parkplatzgebühren fordern. Der Erlebnispark Tripsdrill zum Beispiel, das Freizeitland Geiselwind oder der Wild- und Freizeitpark Klotten. Kaum glauben kann man es hier, wenn man völlig unbehelligt auf das Gelände und abends auch wieder hinunter rollen kann. Da fängt der Tag in einer ganz anderen Stimmung an. Leider stellen viele Parks maximalen Profit über die gute Laune ihrer Gäste. Eine moderate Parkplatzgebühr für einen gepflegten, bewachten Parkplatz zahlt jeder gerne, 5 Euro oder mehr für eine morastige Wiese sind jedoch einfach nur dreist, und so mancher Park sollte sich selbst fragen, ob er seine Gäste wirklich schon vor dem Eintritt so verarschen will. In diesem Sinne: Wir sehen uns im Park!





Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Tim Herre

Tim Herre, 40, ist seit der Grundschulzeit absoluter Park- und Kirmesfan und in der deutschen Szene seit vielen Jahren eine feste Größe. In einschlägigen Freizeitpark-Foren ist Tim unter dem Pseudonym "The Knowledge" aktiv - und ebenso geliebt wie gehasst, geschätzt für sein Wissen und gefürchtet für seine spitze Feder. Dies wird noch zusätzlich durch die Tatsache aufgeladen, dass er nur selten gewillt scheint, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. International bekannt ist er durch seine Tätigkeit als freier Autor des Fachmagazins "Kirmes & Park Revue" und als Buchautor für die parkscout Freizeitführer "Freizeitparks in Europa". Im täglichen Leben ist der deutsche Repräsentant des "European Coaster Club" Texter und Konzepter bei einer großen Düsseldorfer Agentur.



© Parkscout/TH




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