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Freitag, den 18.11.2005 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Herre-san in Japan: Die große Krise


Im September 2005 ging es für unseren Kolumnisten in das Land der aufgehenden Sonne: Der European Coaster Club (ECC) hatte zusammen mit den American Coaster Enthusiasts (ACE) eine 14-tägige Freizeitpark-Tour nach Japan organisiert. Dort gibt es nicht nur die üblichen Achterbahnen und Karussells, sondern auch allerlei bemerkenswerte Kuriositäten zu bestaunen.

Völlig tote Hose: Yomiuriland
Die Besucherzahlen der deutschen Freizeitparks sind bekanntlich am schwächeln. Es wird sich zwar nicht regelrecht beklagt, doch wer Augen und Ohren offen hält, dem kann kaum verborgen bleiben, dass die deutsche Parkszene schon bessere Tage gesehen hat. In Japan allerdings würde man sich nach deutschen Besucherzahlen die Finger lecken. Dort ist in fast allen Parks an vielen Tagen "inverted q-ing" angesagt. Will heißen: Man setzt sich in die Achterbahn und wartet geduldig, bis sich der Zug gefüllt hat. Mal was Anderes.

Warum dies so ist, darüber scheiden sich die Geister. Fakt ist: Japan erlebt nach vielen Jahren des dauerhaften Booms gerade zum ersten Mal so etwas wie eine Rezession. Die Arbeitslosenquote hat eine für japanische Verhältnisse ungeahnte Höhe von knapp 6 Prozent erreicht. Die Stimmung ist schlecht. Und wo der Europäer gerade dann, wenn es ihm nicht so gut geht, noch mehr als sonst die kleine Flucht aus dem Alltag sucht, denkt der pflichtbewusste Japaner gar nicht daran, sich zu amüsieren. Das widerspricht anscheinend einfach zu sehr dem Naturell der Bewohner des fernöstlichen Inselstaates.

Wie ausgestorben: Nara Dreamland
Dies hat zur Folge, dass die Japaner ihre Parkbesuche auf ganz wenige Big Player aufteilen. Den Disney-Parks in Tokio geht es gut, dort sind regelmäßig Rekordzahlen zu vermelden. Ebenso ein Hit bei den Besuchern ist Fuji-Q Highland, ein Park am Fuße von Japans höchstem Berg, wobei hier natürlich auch von den ohnehin vorhandenen Touristenströmen zu Japans Wahrzeichen profitiert wird. Nagashima Spaland in der Ferienregion Nagashima-Onsen kommt auch gut zurecht. Die japanischen Universal Studios sind zwar nicht zufrieden mit ihren Besucherzahlen, aber eigentlich sollten sie es sein: Denn viele andere Parks – gerade die traditionellen – leiden unter frappierendem Besucherschwund. Bei unserem Besuch im Nara Dreamland, einer bereits etwas heruntergekommenen, aber durchaus charmanten Disneyland-Kopie in der Nähe von Japans zweitgrößter Stadt Osaka, die nebenbei auch noch die beste Holzachterbahn des Landes zu bieten hat, wurde die Besucherzahl durch unsere knapp 120-köpfige Gruppe hingegen mal eben verdoppelt. Wie ausgestorben war der Park – und das trotz guten Wetters. Im Tobu-Zoo, einem Tierpark mit angehängtem Vergnügungsareal, der unter Anderem den Top-Coaster "Regina" und einen 60 Meter hohen Freifallturm zu bieten hat, waren bei unsrem Besuch gefühlte 50 Leute anwesend – einschließlich des Personals. Ein ähnliches Bild bot sich uns im erst 11 Jahre alten Themenpark "Parque Espana": Weit und breit kein Japaner zu sehen – wir hatten den hochmodernen, liebevoll gestalteten und mit einer ganzen Reihe absolut hochklassiger Attraktionen gespickten Park quasi für uns. Auch die Karaoke-Bar des parkeigenen Hotels war am Abend fest in westlicher Hand, was ganz sicher nicht nur an unseren Sangeskünsten gelegen hat. Wer als Parkbetreiber in Deutschland also über Besucherschwund klagt, dem sei mal ein Blick gen Osten vorgeschlagen. Und hoffen wir gemeinsam, dass es den japanischen Parks schon bald wieder besser geht. In diesem Sinne: Wir sehen uns im Park!





Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Tim Herre

Tim Herre, 40, ist seit der Grundschulzeit absoluter Park- und Kirmesfan und in der deutschen Szene seit vielen Jahren eine feste Größe. In einschlägigen Freizeitpark-Foren ist Tim unter dem Pseudonym "The Knowledge" aktiv - und ebenso geliebt wie gehasst, geschätzt für sein Wissen und gefürchtet für seine spitze Feder. Dies wird noch zusätzlich durch die Tatsache aufgeladen, dass er nur selten gewillt scheint, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. International bekannt ist er durch seine Tätigkeit als freier Autor des Fachmagazins "Kirmes & Park Revue" und als Buchautor für die parkscout Freizeitführer "Freizeitparks in Europa". Im täglichen Leben ist der deutsche Repräsentant des "European Coaster Club" Texter und Konzepter bei einer großen Düsseldorfer Agentur.



© Parkscout / TH




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