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Donnerstag, den 08.09.2005 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Die Hochsaison-Lemminge


Es ist jedes Jahr das gleiche: Zu Saisonbeginn feilen sich die Operator in den Freizeitparks während der Arbeit die Fingernägel – und in den Sommerferien tobt während nur weniger Wochen allerorten so sehr das Leben, dass die entspannende Reise in künstliche Erlebniswelten schnell zum Trip in den 7. Kreis der Hölle mutiert. Alle scheinen ihren Ausflug an derselben Handvoll Tage zu planen: die Hochsaison-Lemminge sind wieder los – und sie rennen gemeinsam ins Verderben der übervollen Wartebereiche.

Man fragt sich wirklich, was diese Leute dazu bewegt, ausgerechnet an den Tagen, an denen jeder Freizeitparkbesuch unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist, einen solchen zu machen. Ist es Masochismus? Wissen sie es nicht besser? Das kann es eigentlich nicht sein, denn so ziemlich jeder Zeitungsbericht warnt heute vor der Fülle des Hochsommers und empfiehlt die entspannte Nebensaison. Eigentlich nimmt man an, dass sich die übervollen Sommermonate mittlerweile ausreichend herumgesprochen hätten. Doch die Realität spricht eine andere Sprache. Die Standardantwort, spricht man die Kommandeure der Wartezeiten-Himmelfahrten auf ihre miserable Navigation an, lautet meist: "Wir wollten unter der Woche fahren, denn am Wochenende ist es ja immer so voll. Und das geht nur im Sommer, wenn ich Urlaub habe." Soso.

Mancher Familienvater scheint noch nie etwas davon gehört zu haben, dass deutsche Freizeitparks gerade im Hochsommer wochentags ihre absoluten Rekordzahlen erreichen. Im Freizeitland Geiselwind musste kürzlich erst extra eine sonst nicht als Parkplatz genutzte Wiese gemäht werden, um die nicht enden wollende Blechlawine der A9 überhaupt irgendwo unterbringen zu können. Im Erlebnispark Tripsdrill soll es an einem Spitzentag im August über eine halbe Stunde gedauert haben, bis die Leute die Warteschlange an der Kasse passiert hatten. Aus dem Europapark hört man von Besucherzahlen um die 40.000 – an nur einem einzigen Tag, versteht sich! Ob ein Besuch im Freizeitpark an einem solchen Tag noch Spaß macht, das kann sich wohl jeder selbst beantworten. Es sind ja auch eher nicht die Fans, die solche Kardinalfehler begehen, sondern vielmehr diejenigen, die ein- oder vielleicht zweimal pro Jahr in einen Park fahren – und sie sind dann erstmal auf alle Zeiten davon geheilt. Natürlich wird auch im Freundes- und Bekanntenkreis ausufernd herumerzählt, wie fürchterlich voll es wieder in Park X war, und das man sich so was ja nie wieder antun wolle. Eine schlimmere Negativ-Botschaft, als die von stundenlangen Wartezeiten, kann man über einen Freizeitpark kaum verbreiten. Das ist das ultimative Killerargument gegen eine ganze Brache.

Doch was kann man dagegen tun? Aufklärung tut Not – und viele Parks reagieren auch. Einer der Vorreiter hier ist das holländische Efteling, die schon seit über 10 Jahren die Besucher per übersichtlichem Jahreskalender darüber informieren, ob es eher leer, mittel oder voll sein wird. Gespeist wird dieser aus den Erfahrungswerten von Efteling, ist also ziemlich akkurat. Wer da noch an einem "drukke Dag" nach Kaatsheuvel fährt und sich über 90 Minuten Wartezeit am Droomvlucht beschwert, hat wirklich selber Schuld.

Es klingt unglaublich, aber es ist wahr: Während der Sommerferien sind es häufig die Wochenenden, die einen ruhigen Tag im Park bieten. Alle halten sich nämlich für unheimlich clever und gehen unter der Woche in die Parks, was nicht nur überfüllte Dienstage, sondern teilweise geradezu ausgestorbene Sonntage generiert. Besonders krass ist dies in den Ferienregionen von Italien zu beobachten, wo der Touristenanteil besonders hoch ist. Am Samstag (Bettenwechsel!) sind hier die Parks häufig so angenehm leer, dass man meint, man wäre im März da. Lediglich das Thermometer, welches über 30 Grad zeigt, weist auf die Hochsaison hin.

Besonders mit kleinen Kindern ist es wenig ratsam, sich der Hochsaison-Karawane anzuschließen: wer schon mal mit der quengelnden Frucht seiner Lenden länger als ein halbe Stunde in der prallen Sonne anstand, wird dies ohne Zögern bestätigen können – von zusätzlichen Gefahren wie Dehydrierung mal ganz abgesehen. Tun Sie also sich selbst und Ihrer Familie etwas Gutes – meiden Sie die Hochsaison! Ersparen Sie sich astronomische Wartezeiten und übervolle Restaurants! Und wenn es nicht anders geht, nutzen Sie die Wochenenden!
Damit Sie auch morgen noch mit Freude sagen können: Wir sehen uns im Park!







Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Tim Herre

Tim Herre, 40, ist seit der Grundschulzeit absoluter Park- und Kirmesfan und in der deutschen Szene seit vielen Jahren eine feste Größe. In einschlägigen Freizeitpark-Foren ist Tim unter dem Pseudonym "The Knowledge" aktiv - und ebenso geliebt wie gehasst, geschätzt für sein Wissen und gefürchtet für seine spitze Feder. Dies wird noch zusätzlich durch die Tatsache aufgeladen, dass er nur selten gewillt scheint, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. International bekannt ist er durch seine Tätigkeit als freier Autor des Fachmagazins "Kirmes & Park Revue" und als Buchautor für die parkscout Freizeitführer "Freizeitparks in Europa". Im täglichen Leben ist der deutsche Repräsentant des "European Coaster Club" Texter und Konzepter bei einer großen Düsseldorfer Agentur.



© TH




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