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Dienstag, den 21.03.2006 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Man ist so alt, wie man sich fühlt


Wenn es in den letzten Jahren einen dominierenden Trend gab, dann war es die Invasion der Indoor-Spielplätze. Konzipiert für 2 – 12-jährige locken diese allerdings nicht nur die anvisierte Zielgruppe an – auch gelangweilte Jungendliche machen sich zunehmend in den Klettergerüsten und auf den Hüpfkissen breit.

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Angesichts der jüngsten Zahlen des statistischen Bundesamtes mutet die aktuelle Entwicklung fast schon absurd an: die Deutschen bekommen immer weniger Kinder, das Angebot an Kinder-Spielhallen steigt aber von Monat zu Monat. Grund dafür sind die, so hört man, extrem kurzen Return-of-Investment-Phasen – Kinder-Spielhallen scheinen dank relativ niedriger Investitionsvolumina und ebenso niedrigen Betriebs- und Personalkosten absolute Goldgruben zu sein. Für die Bespaßung der 12 – 18-jährigen wird jedoch immer weniger getan, was dazu führt, dass mittlerweile regelrechte Treffen in den eigentlich Jüngeren vorbehaltenen Spielparadiesen organisiert werden.

Diese unfreiwillige Zielgruppenerweiterung ist natürlich nicht ganz unbedenklich. Zum einen wären da nicht wegzudiskutierende statische Bedenken bei den oft mehrstöckigen Kletterburgen. Wenn diese zeitgleich von 10 oder mehr Kids im Mofa-Alter unter Beschlag genommen werden stehen nicht nur den zuständigen TÜV-Ingenieuren die Haare zu Berge. Auch die vielerorts anzutreffenden Trampoline sind nur selten für Aktive jenseits der 50-Kilo-Marke ausgelegt – von unfreiwilligen Katapultstarts von Kleinkindern bei zeitgleicher Benutzung wollen wir hier gar nicht erst reden. Es gibt zwar hier und da Altersbeschränkungen, jedoch werden diese in der Regel nicht durchgesetzt. Und natürlich bringen diese Besucher auch Geld, das die Betreiber gerne mitnehmen.

Allerdings sind auch soziale Problematiken zu beobachten, wenn sich die Jugendlichen in den Kinderparadiesen breit machen. So mancher Knirps hat schon traumatische Erlebnisse davon getragen, weil plötzlich ein pubertierender Bartstoppelträger aus dem Bällebad auftauchte. So mancher Krabbler musste in der Kriechröhre schon frustriert den Rückzug antreten, da an dem entgegenkommenden, übergewichtigen Teenager einfach nicht vorbei zu kommen war. Und so mancher junger Kapitän hat schon auf der Titanic-Luftrutsche Schiffbruch erlitten, weil ihm ein Kind gebliebener Nachwuchs-DiCaprio von hinten ins noch im Wachstum befindliche Kreuz rutschte.

Wer Ähnliches einmal erlebt hat, der kommt nicht wieder. Das Überangebot an Indoor-Spielhallen versetzt genervte Mütter glücklicherweise in die Lage, dorthin zu gehen, wo dem illustren Teeny-Treiben Einhalt geboten wird. Der relativ neue Markt der Luxus-Bezahl-Spielplätze ist gerade in einer Lernphase und muss solche ungewollten Eigendynamiken im angezogenen Publikum erst noch kennenlernen. Und vor allem eine Entscheidung treffen, wie damit umzugehen ist. Am Besten wäre natürlich, die übermütigen Jugendlichen würden endlich merken, dass sie in einem Kinderparadies nichts verloren haben. Und hier auch bitte keine verlorene Kindheit suchen sollten. In diesem Sinne: Wir sehen uns im Park!





Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Tim Herre

Tim Herre, 40, ist seit der Grundschulzeit absoluter Park- und Kirmesfan und in der deutschen Szene seit vielen Jahren eine feste Größe. In einschlägigen Freizeitpark-Foren ist Tim unter dem Pseudonym "The Knowledge" aktiv - und ebenso geliebt wie gehasst, geschätzt für sein Wissen und gefürchtet für seine spitze Feder. Dies wird noch zusätzlich durch die Tatsache aufgeladen, dass er nur selten gewillt scheint, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. International bekannt ist er durch seine Tätigkeit als freier Autor des Fachmagazins "Kirmes & Park Revue" und als Buchautor für die parkscout Freizeitführer "Freizeitparks in Europa". Im täglichen Leben ist der deutsche Repräsentant des "European Coaster Club" Texter und Konzepter bei einer großen Düsseldorfer Agentur.



© Parkscout / TH




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