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Dienstag, den 17.05.2011 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Merlin und die Würstchen


Dass Unternehmen oft und gerne zu allen möglichen Tricks und Kniffen greifen, um ihre Produkte an den Mann zu bringen, ist nichts neues. Und gerade britische Firmen waren hier in der Vergangenheit äußerst erfinderisch, wenn es darum ging, Kosten im Kleingedruckten zu verstecken. Einen neuen Vorstoß hat vor kurzem Merlin Entertainment auf der Insel unternommen, indem die Eintrittskarten für die Freizeitparks und Ausflugsziele der Gruppe verstärkt mit dem Nettopreis und dem Zusatz "plus Mehrwertsteuer" beworben wurden, womit man sich den Zorn des "Office of Fair Trading" zugezogen hat.

Was sich auf der einen Seite wie ein billiger Marketingtrick anhört, will Merlin indessen als Aufklärungsarbeit über die hohen Steuerbelastungen verstanden wissen. Zur Informationen: die Briten haben einen ähnlich hohen Mehrwertsteuersatz wie die Deutschen – nämlich 20 %. Zum Vergleich: die französischen Parks haben hier weitaus mehr Glück – sie werden nur mit 5,5 % zur Kasse gebeten. Wenn man also beispielsweise mal den mit 69 EUR ohnehin recht saftigen Eintrittspreis im Disneyland Resort Paris zu Rate nimmt, müsste ein englischer Park schon mehr als 78 EUR verlangen, um denselben Gewinn bei den Tickets einzufahren wie die französische Konkurrenz. Durch die Angabe des Nettopreises im Internet möchte Merlin also nach eigenen Angaben nicht die Kunden durch eine intransparente Preisgestaltung verärgern, sondern ganz im Gegenteil den hohen Anteil sichtbarer machen, den sich die Regierung als Steuer einverleibt. Außerdem würde man damit auch den Wert der Tickets im Vergleich zu den USA sichtbarer machen, wo Preise ohnehin immer ohne Steuern angegeben werden – welche ganz nebenbei auch vergleichsweise moderat ausfallen. Was in England nur etwas Unmut herausfordert, würde wohl in Deutschland zu freudigen Abmahnwellen führen – dabei sind die Grundprobleme hier durchaus ähnlich. Mit einer Mehrwertsteuer von 19 % werden die Freizeitparks hierzulande ebenfalls kräftig geschröpft – und dies nicht nur im Vergleich zu vielen Nachbarstaaten, sondern sogar auch im eigenen Land. Man fragt sich wirklich, wo die Logik der Finanzbehörden stecken mag - eine Achterbahnfahrt auf dem Oktoberfest oder der Düsseldorfer Kirmes wird mit einem ermäßigten Satz von 7 % besteuert, in einem Freizeitpark werden sofort 19 % fällig. Schausteller, Zoos, Schwimmbäder – die direkte Konkurrenz von Parks im eigenen Land darf sich über einen Rabatt von 12 % gegenüber Freizeitparks freuen.

Natürlich würde der von Merlin in England eingeschlagene Weg in Deutschland so manchem Besucher die Augen öffnen, wo rund ein Fünftel der jährlichen Preiserhöhungen hinwandern, aber hierzulande verbietet das Wettbewerbsrecht derartige Aktionen – und dies, obwohl ein fairer Wettbewerb aufgrund der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze schon im Ansatz erstickt wird. Ob sich an diesem Zustand etwas ändern wird? Noch vor knapp zwei Monaten gewann ein Schausteller vor dem Europäischen Gerichtshof einen Prozess, nach dem nun auch Würstchen auf der Kirmes nur noch mit 7 % besteuert werden dürfen. Es wird Zeit, dass sich auch im Freizeitparksektor etwas tut...

Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Mike Vester

Mike Vester, 51, beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema Freizeitparks / Kirmes und gehört heute zu den wichtigsten Autoren der Parkscout-Fachredaktion. Sein Hang zu Polemik und Übertreibungen ist zwar legendär, aber wer genau hinhört, merkt schnell, daß er mit seinem Motto "zeitlos, stillos, geschmacklos" zwischen den Zeilen immer genau den Punkt trifft. Der frühere Kleinkunst-Texter ist überzeugter Fan von allem, was mit dem Thema "Disney" zu tun hat und läßt dies auf seine liebenswert schrullige Art auch sicherlich öfter in seine Kolumne einfließen. In diesem Sinne also: Immer vester druff...



© parkscout/MV




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Was fehlt ist eine gute Begründung zur Steuersenkung. Und die gibt es eben (noch) nicht.

Aber selbst wenn, sollte es sich um eine Lebensaufgabe handeln im Angesicht deutscher Behörden und Bürokratie eine Steuerrevolution durchzusetzen.
Das die Steuern in anderen Ländern geringer sind, entspricht zwar der Tatsache, um ein korrektes Bild zu bekommen, müssten aber auch andere Kosten wie z.B. für die Energie berücksichtigt werden (entweder wird der Unterschied dann noch krasser oder es relativiert sich).
Das Deutschland für große Unternehmen einen atraktiven Standort bietet, ist bekannt. Schade das die Freizeitparks dort noch nicht von profitieren.

17.05.2011 21:03






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