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Donnerstag, den 03.06.2010 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Zoos und Tierparks und Pressemeldungen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Neue "Südamerika-WG" im Allwetterzoo Münster


PressemitteilungZwei Löwenäffchen, fünf Zwergseidenäffchen und ein Gürteltier

Im Laufe der letzten Monate wurde im Allwetterzoo Münster fleißig gebaut, um den Goldenen Löwenäffchen ein schöneres Zuhause zu bescheren. Aus ehemals zwei Anlagen im Haus für „Niedere Affen“ entstand ein geräumiger, von Licht durchfluteter Lebensraum für diese seltenen Affen und ihre neuen Mitbewohner.


Ein großflächiges Glasdach ersetzt die Lichtkuppeln über der Anlage und vergrößert den Raum in luftige Höhe. Die Rückwände und der Boden wurden komplett neu gestaltet, die gesamte Anlage mit tropischen Pflanzen und Kletterbäumen bestückt. In deren Ästen tummeln sich nun zwei Goldene Löwenäffchen und fünf Zwergseiden­äffchen. Untermieter im wahrsten Sinne des Wortes ist ein Südliches Kugelgürteltier: „Norman“ bewohnt nur den Boden der Anlage. Alle drei Arten sind von der Ausrottung bedroht. Die auffälligsten Bewohner der neuen Anlage sind die Goldenen Löwenäffchen aus den küstennahen Wäldern Brasiliens. Sie zählen zu den am meisten von der Ausrottung bedrohten Affen. Laut Weltzooverband sind nur noch 2 bis 3 % ihres ursprünglichen Lebensraumes vorhanden, er wurde durch Holzeinschlag derart drastisch reduziert und zerstückelt. Weltweite Rettungsaktionen sowie ein Erhaltungszucht­programm zeigten Erfolg: Zahlreiche in Zoos geborene Goldene Löwenaffen wurden mittlerweile ausgewildert. Die Art hat somit eine Chance zum Überleben. Außer dem Ankauf von Gebieten für die Wiederansiedelung trug ein Bildungsprogramm dazu bei, dass das Goldene Löwenäffchen inzwischen in Brasilien stolz als „Nationales Symbol der Arterhaltung“ betrachtet wird.

Vergesellschaftet mit den Löwenaffen wurden Zwergseidenäffchen, "Südamerikaner" aus dem oberen Amazonasgebiet und eine neue Art für den Allwetterzoo. Sie zählen mit nur rund 130 Gramm Gewicht zu den kleinsten Affen der Welt und können – obwohl sie so klein sind - unglaubliche fünf Meter weit springen! Ihre Ernährung ist außer­gewöhnlich, denn sie bevorzugen Baumsäfte. Hierfür zapfen sie Bäume und Schlingpflanzen an: Sie beißen kleine Löcher in die Rinde, aus denen der gummiartige Saft austritt. Im Allwetterzoo werden ihnen präparierte Äste angeboten, aus denen sie Gummiarabikum zapfen. Gummiarabikum ist ein besonders exotisches Nahrungsmittel im Zoo. Südamerikanische Krallenaffen mögen diesen milchigen Saft von Akazienbäumen, der verschiedene Salze enthält, ausgesprochen gern. Es wird in getrockneter Form geliefert. Aufgelöst in warmem Wasser entsteht eine zähflüssige Masse, die die Tierpfleger beispielsweise in Bambusrohre oder Äste mit winzigen Löchern füllen. Der Saft tritt tröpfchenweise aus und die Affen lecken ihn ab. Die Pfleger fertigen daraus auch "Lutscher" mit Stil oder mischen die Masse unter den täglichen Brei für die kleinen Affen.

"Untermieter" der Löwen- und Seidenaffen ist ein Südliches Kugelgürteltier, für das noch eine Partnerin gesucht wird. Charakteristisch für Gürteltiere ist der harte Panzer, der ihre Körperoberseite bedeckt. Er ist aus Hautknochenplättchen und Keratin aufgebaut. Aus dem Material bestehen auch unsere Fingernägel. Das Südliche Kugelgürteltier, das vom Zentrum des südamerikanischen Kontinents bis zu seiner südlichen Spitze beheimatet ist, besitzt drei „Gürtel“. Das sind Hautfalten, die den Panzer beweglicher machen. Zum Schutz vor Feinden rollen sich die Tiere zu einer allseits von ihrem Panzer umschlossenen Kugel zusammen. Dank dieser Verteidigungsmethode haben Kugelgürteltiere zwar wenig natürliche Feinde, doch Menschen jagen sie wegen ihres als schmackhaft geltenden Fleisches.

Informationen zur Gemeinschaftsanlage

Fertigstellung im Mai 2010
Grundfläche der Anlage: 30 m²
Volumen: 237 m³, vorher 77 m³

- Beim Umbau wurde nicht nur an die Tiere gedacht. Auch die Arbeits­bedingungen für die Tierpfleger wurden verbessert. Zum Umsperren der Tiere wurde eine neue Doppelschiebertechnik eingebaut. Die ebenfalls neue, so genannte Laufgangpaddel­technik erlaubt eine stressfreie Lenkung in den Laufgängen, über die Löwenaffen und Zwergseidenaffen in die Freianlage gelangen.

- Durch eine bessere Dämmung der Außenbauteile wird zudem Energie eingespart. Das Innenklima liegt konstant bei etwa 26°C und rund 70 % Luftfeuchtigkeit – im Sommer wie im Winter. Energie wird auch durch das neue Glasdach gespart, denn tagsüber kann nun auf eine künstliche Beleuchtung verzichtet werden.

- Vor dem Umbau bewohnten die Goldenen Löwenäffchen gemeinsam mit Köhlerschildkröten den linken Teil der Anlage, rechts lebten zuletzt Rothandtamarine. Diese Art wird nun nicht mehr im Allwetterzoo gehalten, während die Köhlerschildkröten in einem Terrarium in der Reptilienhalle des Tropenhauses beobachtet werden können.


© Parkscout / Allwetterzoo Münster




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