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Dienstag, den 01.09.2009 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Kolumnen zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Pinguine im Wohnzimmer


Kennen sie Zoosoaps? Wahrscheinlich schon, denn den sogenannten Dokusoaps aus deutschen Zoos kann man mittlerweile kaum noch ausweichen, wenn man nachmittags oder am frühen Abend die Flimmerkiste einschaltet. Beinahe jeder größere Zoo in Deutschland ist mittlerweile Star einer eigenen Zoofernsehserie geworden. Und sie erfreuen sich nach wie vor einer großen Popularität. Wie gut, dass sich die ARD aus so vielen regionalen Sendeanstalten zusammensetzt - so kann jede davon aus ihren Heimatzoos berichten. Und auch Deutschlands ZWEITES großes Fernsehprogramm geizt nicht mit Tierpflegern, die uns Zuschauern in jedem erdenklichen deutschen Dialekt erklären, warum die Geburt des Giraffenkalbs schon seit zwei Folgen überfällig ist.

Doch nicht nur für das Fernsehen lohnen sich diese Sendungen, sondern - natürlich - auch für die beteiligten Zoologischen Gärten. Denn die Zoosoaps bieten einen gewaltigen Werbewert, steigern die Identifikation der Zuseher mit "ihrem" Zoo und animieren zu einem Besuch. Und sie machen süchtig!

Denn gleich den mit einer Überraschung gefüllten Schokoeiern eines italienischen Süßwarenherstellers, bieten die Zoosoaps mehrere Gründe, immer wieder einzuschalten. Wenn der Zuschauer mit einem kühlen Bier, einem lieblichen Wein oder einer Limonade auf der Couch sitzt, empfangen ihn eben nicht nur hübsche Pinguine oder imposante Löwen. Nein, er hat ein wöchentliches Date mit echten Tier-Persönlichkeiten! Ob nun Eisbärin Flocke oder Lama Horst - man meint sie bald besser zu kennen als den kläffenden Mops von nebenan. Zudem gibt es wirklich interessante Einblicke in das Innenleben eines Tierparks.

Vor allem aber menschelt es so schön im Zoo! Man trifft notorisch gut gelaunte Tierpfleger, die bereitwillig Überstunden schieben, wenn sich die Ankunft der neuen Nashorndame Betty - wegen des unvermeidlichen Staus auf der A2 - mal wieder um 3 Stunden verschiebt. Die häufiger im Stall bei der trächtigen Zebrastute übernachten, als beim eigenen Gatten daheim. Und die nervenden Besuchern ganz ruhig (und zum 25. Mal) erklären, dass das Wasserschwein eben kein Schwein ist, sondern eher ein ...ähhm....klein wenig zu groß geratenes Meerschweinchen. Zu einigen der Tierpfleger, Tierärzte oder Direktoren baute man sogar eine richtige Beziehung auf, sie wurden zu "Freunden".

Die Anteilnahme der Bevölkerung nach den tragischen Todesfällen von Knut-Ziehvater Thomas Dörflein und "Crocodile Hunter" Steve Irwin (dessen Geschichten aus dem "Australia Zoo" ja auch eine Dokusoap waren...) war riesengroß. Und die Beliebtheit des Leipziger Raubtierpflegers Jörg Gräser würde sich JEDER deutsche Politiker wünschen. Und so wird diese Fernsehgattung auch nicht zu bald aussterben. Dies ist zugleich aber auch ein Problem...

Machen wir doch einfach mal einen Test: Sagen sie ganz schnell mal den Titel einer deutschen Zoosoap! ...äähhm...“Löwe, Zebra & Co“ oder „Pinguin, Gorilla & Co“ oder vielleicht doch eher „Elefant, Seebär & Co“? Waren es „Leipziger Schnauzen“ oder „Kölsche Schnauzen“? „Tierisch Ostsee“ oder doch „Ruhrpott Kumpel“?

Die Vielzahl der Sendungen macht es dem Zoointeressierten leider immer schwerer die einzelnen "Soaps" auseinander zu halten. Dennoch habe ich noch gern Pinguine zu Besuch in meinem Wohnzimmer - vielleicht nur etwas seltener als früher. Dass mein Enthusiasmus für diese Sendungen ein wenig gelitten hat, dafür gibt es aber auch einen persönlichen Grund: So hat doch die Freundin eines veritablen Zookolumnenautoren immer so seltsam verklärte Augen bekommen, wenn ein bestimmter Raubtierpfleger gerade im Fernsehen war. Ich war natürlich überhaupt nicht eifersüchtig! Dass die Programmierung des MDR plötzlich und aus unerklärlichen Gründen aus meinem Fernseher verschwunden ist, war sicherlich nur ein Zufall...

P.S.: Aus der Rubrik "Brunos kleiner Service": Die korrekten Namen der bisher ausgestrahlten Zoo-Soaps

ARD:
Eisbär, Affe & Co. - Wilhelma, Stuttgart (SWR)
Elefant, Tiger Co. - Zoo Leipzig (MDR)
Giraffe, Erdmännchen & Co. - Zoo Frankfurt/Opel Zoo Kronberg (HR)
Leopard, Seebär & Co. - Tierpark Hagenbeck, Hamburg (NDR)
Nashorn, Zebra & Co. - Tierpark Hellabrunn (BR)
Panda, Gorilla & Co. - Zoo/Tierpark Berlin (RBB)
Pinguin, Löwe & Co. - Allwetterzoo Münster (WDR)
Seehund, Puma & Co. - Zoo am Meer, Bremerhaven/Tierpark Jaderpark/Seehundstation Friedrichskoog (Radio Bremen)
Wolf, Bär & Co. - Wildpark Lüneburger Heide (NDR)

ZDF:
Berliner Schnauzen - Zoo Berlin
Dresdner Schnauzen - Zoo Dresden
Nürnberger Schnauzen - Tiergarten Nürnberg
Ostsee-Schnauzen - Zoo Rostock
Ruhrpott-Schnauzen - Zoo Duisburg
Tierisch Kölsch - Zoo Köln
Tierische Kumpel - berichtet aus den zoologischen Einrichtungen der Städte Duisburg, Gelsenkirchen, Stralsund, Wuppertal und Wien



Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.


© parkscout/AK




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KOMMENTARE     Eigenen Kommentar verfassen

Zoo-Dokus in allen Ehren, das was sich die öffentlich-rechtlichen Programme anmaßen, geht auf keine Kuhhaut!
Gut, wer will es ihnen verdenken, immerhin sind solche Sendungen preiswert zu produzieren und der geneigte Journalist weiß: Tiere und Kinder sind die besten Quotenbringer.

Nur - selbst die abgedrehtestenTierfreunde bekommen mittlerweile einen sprichwörtlichen Affen, wenn sie zur nachmittagszeit den Fernseher einschalten.
Denn dort kann der geneigte Zuschauer wunderbar zwischen den einzelnen Zoos hin und herschalten. Viele Sendungen haben mittlerweile den gleichen Sendeplatz, so dass sich der Gang raus aus dem Haus und hin zum Zoo fast erübrigt - man kann alle Tiere wunderbar auf dem heimischen Flatscreen sehen und das Elefantenhaus müffelt auch weniger.

03.09.2009 12:34
Fred Ferkel




Herlich diese nichtssagenden Kolumnen. Bitte mehr davon :-)

03.09.2009 01:25






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