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Parkscout Pro 2/2012

parkscout|PRO Branchennewsletter II / 2012


Bonn, 15.06.2012

Sehr geehrte Damen und Herren,

die zweite Ausgabe unseres Branchennewsletters beschäftigt sich diesmal schwerpunktmäßig mit einer äußerst kreativen Materie, der Freizeitparks immer mehr Aufmerksamkeit schenken. Gerade in den letzten Jahren sind die Ausgaben zur themenbezogenen Gestaltung von neuen Attraktionen in die Höhe geschnellt und nehmen heutzutage mitunter immense Kosten-Dimensionen an.

Holzachterbahn im Europa-Park
Wodan Timburcoaster im Europa-Park

Disney als Vordenker

In einigen amerikanischen Vergnügungsparks gehören nackte Achterbahn-Stahlskelette noch immer zum vorherrschenden Freizeitpark-Panorama. Dennoch erfahren diese Coaster regen Zuspruch bei den Gästen. Neue Attraktionen ohne spezielles Theming wie etwa jüngst "Goliath" im Six Flags New England leiden sicherlich nicht unter Besuchermangel, sie sind aber im dichten Konkurrenzgeflecht europäischer Parks kaum vorstellbar. Die Frage, warum man den aufwändigen Weg zur Thematisierung geht, ist dabei nicht schwer zu beantworten: Durch anspruchsvolle und üppige Dekorationen und einem stimmigen Storyboard möchte man sich von der vielzahligen und dichtmaschigen Konkurrenz abheben und so größtmögliche Attraktivität erlangen.

Wenn man sich einmal mit den Anfängen des Themings beschäftigt, führt der Weg wieder zurück über den Atlantik - schnurstracks zu Walt Disney, der mit seinen Freizeitparks dem Begriff Phantasie eine völlig neue Dimension verabreichte. Disneys Ziel bestand vor allem darin, seine zauberhaften Zeichentrickwelten möglichst authentisch zum Leben zu erwecken. Attraktionen wie Cinderellas Schloss oder Pirates of the Carribean waren und sind noch immer prägend für eine ganze Branche. Während Disneys Absicht insbesondere darin bestand, eine märchenhafte Welt real werden zu lassen - streben heutige Freizeitparks vor allem danach, sich mit Hilfe von ausgefeilten Themings aus der Masse hervorzuheben. Um die Gunst der Besucher (in Europa sind es immerhin geschätzte 150 Millionen jedes Jahr) zu erlangen, greift die Freizeitbranche dabei zu immer raffinierteren Konzepten.

Mit Ausgaben von rund 400 Millionen Euro für neue Fahrgeschäfte, Shows sowie weiteren Attraktionen, ist die Bilanz zum Beginn der Freizeitpark-Saison 2012 in den annähernd 300 europäischen Vergnügungsparks durchaus beeindruckend: Beispiele wie der "Wodan Timburcoaster" im Europa Park, der sich an die Sagenwelten Islands anlehnt oder die Pharaonenwelt "Oziris" im Parc Astérix dokumentieren, dass Thematisierungen mehr und mehr eine übergeordnete Rolle spielen. Und dies trotz bereits hoher Anschaffungs- und Installationskosten eines neuen Fahrgeschäftes, doch mit dem Theming steht und fällt heutzutage eine Attraktion. Ist eine Achterbahn technisch vielleicht auch noch so anspruchsvoll, eine wenig durchdachte Story kann sie bei den Besuchern schnell ins Abseits befördern.

 © Särkänniemi Adventure Park
© Särkänniemi Adventure Park
Angry Birds Land im Särkänniemi Adventure Park
So gilt gerade bei Neuheiten mittlerweile der erklärte Leitsatz der Branche, dem erlebnishungrigen Freizeitpark-Besucher möglichst eine plausible Begleitgeschichte zu liefern, und den Gast im Sinne von "part of a story" in ein spannendes Abenteuer zu schicken. Auch das Legoland® Billund, das jünst mit dem "Polar Land" einer Kombination aus Achterbahn, Pinguinanlage und Polar-Restaurant 75 Millionen Kronen für einen Themenbereich verausgabte, hat dieses Prinzip verinnerlicht und weitergeführt. Eine neue Achterbahn ohne ein Thema und eine Geschichte, die sich schon im Wartebereich aufbaut, ist heute wohl kaum noch denkbar.

Um noch attraktiver insbesondere auch für Familien zu werden, führt der meist kostenintensive Weg zur Thematisierung die Parks immer wieder auch über bekannte Filmproduktionen und erfolgreiche Video-Spiele, wie etwa beim Angry Birds Land im Särkänniemi Adventure Land. Die familienfreundliche Erweiterung des finnischen Freizeitparks wurde vom Computerspiele-Hersteller Rovio mitgestaltet und bietet ein Dutzend Attraktionen, die sich thematisch den Angry Birds widmen. Um eine Attraktion möglichst noch erfolgreicher zu gestalten, wird dem Erfolgsrezept Theming ebenso gerne eine ordentliche Prise "Interaktion" beigemischt. Bestes Beispiel dürfte hier der aufwändige Dark-Ride "Maus-au-Chocolat" im Brühler Phantasialand sein.

Zugrundeliegende Pressemitteilung
International Association of Amusement Parks and Attractions (IAAPA) [Pressenews 5.2012]


Sponsoring auf hohem Niveau

Dass gestalterische Ideen großen Ausmaßes meist durch einen engen finanziellen Rahmen begrenzt werden, gilt auch in der Freizeitbranche als Binsen-Weisheit. Ohne ein entsprechendes Sponsoring wäre daher manch neue Attraktion wohl nur schwerlich zu stemmen – oder könnte nur über die bereits oft schon stark strapazierte Geldbörse der Parkbesucher geführt werden. So unterstreicht etwa Cedar Point mit seiner neuen Showattraktion "Luminosity: Ignite the Night" nicht nur den Trend zu immer teureren und spektakuläreren Programmen – stolze 6 Millionen Dollar hat die Show immerhin gekostet – sondern auch dass das Sponsoring von Attraktionen zunehmend eine gewichtige Rolle spielt. Um derart kostenintensive Attraktionen realisieren zu können, werden finanzkräftige Werbepartner mit ins Boot geholt. Im Falle von "Luminosity" wurde der Erfrischungsgetränkehersteller PepsiCo, Inc. von Cedair Fair als Wohltäter akquiriert. Auf diese berühmte Win-Win-Strategie setzt auch die amerikanische Six Flags Entertainment Corporation, die jüngst eine Marketing-Partnerschaft mit dem Handyhersteller Nokia angekündigt hat. In diesem Fall dürfte allerdings vor allem der finnische Konzern auf positive Marketing-Effekte hoffen.

Zugrundeliegende Pressemitteilung
Six Flags Entertainment Corporation [Pressenews 5.2012] | Cedar Fair Parks [Pressenews 5.2012]


Es grüßt herzlich, Ihr

Sascha Nendza


© SN


 

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