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Clownfisch in Anemone ©
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Mittwoch, den 31.10.2012 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Zoos und Tierparks, Interviews und Magazin zu finden.

Pflege im Sea Life Speyer


Um dem Besucher mal ein wenig die Hintergründe und den Pflegeaufwand der einzelnen Aquarien und ihrer Bewohner in einem Sea Life Centre näher zu bringen, haben wir mit Maik Christian Schmidt, General Manager des Sea Life Speyer, über die notwendigen aquaristischen Maßnahmen, die für den Betrieb eines Großaquariums nötig sind, gesprochen.

Maik Christian Schmidt
Parkscout:
Jeder, der ein Aquarium zu Hause hat, weiß, wieviel Aufwand nötig ist, um ein 200-Liter-Becken zu pflegen. Das SeaLife Speyer hingegen hat Aquarien mit insgesamt rund 500.000 Litern. So empfiehlt sich für das heimische Aquarium ja ein wöchentlicher Wasserwechsel von bis zu 50 Prozent. Wie groß sind die Intervalle in Ihren Becken oder wird das vorhandene Wasser intern aufbereitet?

Maik Christian Schmidt:
Wir machen schon Wasserwechsel, aber die müssen nicht so umfangreich sein, da wir gute Filteranlagen haben, wie zum Beispiel Denitrifikationsfilter, die Nitrat abbauen. Unser Meerwasser mischen wir vor Ort mit hochwertigem Meersalz, so dass wir immer ein Vorratsreservoir haben, aus dem wir nachfüllen können. Trotzdem verbrauchen wir ca. 250 Kubikmeter Wasser im Monat.

Parkscout:
Eines der Hauptprobleme bei heimischen Aquarien ist oft eine Algenplage und die damit zusammen hängenden Reinigungsarbeiten. Wie oft werden die Scheiben in Ihren Becken von Algenbewuchs befreit, und haben Sie einen guten Tipp für die Hobby-Aquarianer, wie man diesen möglichst eindämmen kann?

Maik Christian Schmidt:
Die meisten Scheiben im SeaLife werden täglich geputzt, da es bei einem Schauaquarium wichtig ist, dass die Besucher auch rein schauen können. Dadurch haben die Algen wenig Zeit sich richtig fest zu setzen und lassen sich relativ leicht entfernen. Wenn ein Aquarium als biologisches System funktioniert, in dem alle Abfallstoffe wieder verwertet werden, haben Algen weniger Nährstoffe und wachsen langsamer. Im Süßwasser können Pflanzen einen Großteil dieser Aufgabe übernehmen. Wichtig sind aber vor allem Bakterien. Sie nutzen Futterreste und den Kot von Fischen als Nahrung und bauen sie zu unschädlichen Verbindungen ab. Man muss den Bakterien allerdings einen Platz und genügend Sauerstoff bieten, damit das Ganze funktioniert.

Impressionen aus Sea Life Centren

Bild links Bild rechts
  • Langschnauziges Seepferdchen<br />© Sea Life Konstanz
  • Schwarzspitzenriffhai<br />© Sea Life Konstanz
  • Katzenhaiei<br />© Sea Life Konstanz
  • Kind am Becken<br />© Sea Life Königswinter
  • Gelber Segelflossendoktor<br />© Sea Life Königswinter
  • Katzenhaie<br />© Sea Life Königswinter


Dazu hat man den Filterkasten, Filtermatten oder –watte, Biobälle und andere Materialien, an denen sich die Bakterien festsetzen können: Diese müssen natürlich auch regelmäßig gereinigt werden, aber es ist wichtig dabei nicht das ganze Filtermaterial auf einmal zu wechseln, weil man damit auch die hilfreichen Bakterien entfernen würde. Behält man aber einen Teil des alten Filtermaterials zurück, vermehren sich die Bakterien schnell wieder und gleichen den Verlust aus. Ein häufiger Fehler bei Heimaquarien mit Meerwasser besteht darin, dass Filtermaterial mit Süßwasser/Leitungswasser ausgespült wird.

Dadurch werden viele nützliche Helfer getötet und die Algen wachsen nach dem Saubermachen wieder besonders schnell. Besser ist es Salzwasser zum Auswaschen zu nehmen. Der einfachste Tipp gegen Algen im Süß- und im Meerwasser: nicht zu viele Fische, sparsam mit dem Futter umgehen (lieber mehrfach über den Tag verteilt kleine Mengen füttern, als eine große Portion) und darauf achten, dass sich kein Mulm am Boden ansammelt. Trotzdem wird man um das Putzen nicht drum herum kommen.

Parkscout:
Krankheiten sind natürlich auch bei Fischen ein Problem. Leider gibt es nur wenige Tierärzte, die auch Fische und Wirbellose behandeln können. Hat das SeaLife Speyer für solche Fälle einen eigenen Tierarzt, der auf Fische spezialisiert ist?

Maik Christian Schmidt:
Unsere Aquaristen haben natürlich einige Erfahrung im Umgang mit kranken Tieren. Sollte es aber größere Probleme geben, gibt es ein spezialisiertes Tierärzte-Team in England, das ständig mit allen SeaLifes in Kontakt steht, Fragen beantwortet und eventuell mit dem lokalen Tierarzt eine Behandlung abstimmt.

Parkscout Plus 0/2012
Parkscout Plus
Parkscout Plus 0/2012

Der vollständige Text dieses Interview ist erschienen in der parkscout | plus-Ausgabe 0/2012.

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Parkscout:
Im SeaLife Speyer sind sowohl Süß- als auch Salzwasserfische beheimatet. Gibt es einen Unterschied im Pflegeaufwand?

Maik Christian Schmidt:
Ja und nein. Vieles ist gleich: Füttern, sauber machen, Tiergesundheit. Es gibt aber zum Beispiel bei der Filtertechnik Unterschiede: da viele Meerwassertiere empfindlicher sind und eine hohe Wasserqualität brauchen, gibt es im Salzwasser zusätzlich Eiweißabschäumer und Ozongeneratoren, die helfen das Wasser sauber zu halten. Das spart Wasserwechsel, schließlich ist es ja auch immer ein Aufwand, das Meerwasser passend anzurühren.

Parkscout:
Handelt es sich bei den Fischen im SeaLife Speyer um europäische Nachzuchten oder um Wildfänge? Bei Diskusfischen beispielsweise sind die natürlichen Parasiten der Tiere von Händler zu Händler ja miteinander inkompatibel.

Maik Christian Schmidt:
SeaLife versucht natürlich zuerst immer an Nachzuchten zu kommen. Dafür stehen nicht nur alle SeaLifes untereinander in Kontakt, sondern auch mit vielen anderen Aquarien und Züchtern weltweit. Zum Beispiel für Diskusfische gibt es einige gute Züchter in Europa. Gibt es keine Nachzuchten und müssen wirklich Wildfänge verwendet werden, dann achten wir darauf, dass die Natur durch die Entnahme nicht geschädigt wird, zum Beispiel handelt es sich dann um Beifang aus der Fischerei. Neue Tiere müssen natürlich erst einmal in die Quarantäne. Dafür hat SeaLife eine komplette Station in England, die Neuzugänge erst verteilt, wenn diese gesund und munter sind.

Parkscout:
Neu in diesem Jahr sind im SeaLife Speyer Quallenaquarien. Ist aus Ihrer Sicht die Hälterung von Quallen zu Hause empfehlenswert? Es scheint sich in diesem Zusammenhang ja ein neuer Trend anzubahnen, da diese Tiere inzwischen auch vermehrt im Handel angeboten werden.

Maik Christian Schmidt:
Quallen sind für zu Hause weniger geeignet: Man braucht ein spezielles Aquarium, in dem die Tiere sich nicht verletzen können und besonderes Futter wie frisch geschlüpfte Artemien oder noch feineres Futter. Der Putzaufwand ist sehr groß; da die meisten Quallen sehr viel Licht brauchen, wachsen auch Algen besonders gut. Der Trend, Quallen in einem kleinen Heimaquarium zu halten ist auch deshalb nicht zu unterstützen, weil die Tiere bei guter Pflege schnell wachsen, dann zu groß für das Aquarium werden und deshalb schlechter gefüttert werden, damit sie wieder schrumpfen. Das ist keine Tierliebe.

© parkscout/MV




 




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