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VR Coaster © Europa-Park
© Europa-Park



Donnerstag, den 18.08.2016 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Magazin und Freizeitparks zu finden.

Virtuelle Realitäten


VR Coaster © Europa-Park
© Europa-Park
Michael Mack
Nachdem VR Coaster bereits im vergangenen Jahr erfolgreich auf dem "Alpenexpress" im Europa-Park eingesetzt wurde, folgte nun in diesem Jahr in Deutschlands größtem Freizeitpark eine weitere Installation für "Pegasus". Bis zum Jahresende sollen bereits mehr als 20 Achterbahnen weltweit mit dem neuen System aufgerüstet werden. Welche Vorteile das VR-Coaster-System bietet und mit welchen technischen Details die Reise in die virtuelle Realität überhaupt möglich wurde, erklärte uns Michael Mack, Geschäftsführer des Europa-Park und Mitinhaber von VR Coaster, in einem Gespräch.

Parkscout: Können Sie uns ein wenig darüber erzählen, wie es zur Zusammenarbeit mit Prof. Thomas Wagner, dem Gründer von VR Coaster, kam?

Michael Mack: Generell bin ich sehr technikaffin und gegenüber jeder Innovation grundsätzlich sehr positiv gestimmt. Vor rund zweieinhalb Jahren haben sich Christian von Elverfeldt, Geschäftsführer von Mack Rides, Thomas Wagner, Professor für Virtual Design an der Hochschule Kaiserslautern, und ich zum ersten Mal gemeinsam mit der Idee einer virtuellen Achterbahn beschäftigt. Daraus ist dann das Start-Up "VR Coaster" entstanden. Bezüglich der Technik lagen anfangs viele Zweifel im Raum. Ich war jedoch davon überzeugt und habe nie aufgehört, daran zu glauben. Das Potential des Headsets, das man während der Fahrt auf seinem Kopf trägt, ist einfach zu groß, als dass ich die Idee so ohne weiteres hätte wieder fallen lassen können. Es hat dann viele Testfahrten und zahlreiche Wochen an Entwicklungsarbeit auf mehreren Bahnen im Europa-Park gedauert, bis das VR-System im September 2015 einsatzbereit war und in den Tagesbetrieb übergegangen ist. Als übrigens erste Virtual-Reality-Achterbahn weltweit! Zuerst haben wir unseren Klassiker "Alpenexpress" damit aufgerüstet – seit Saisonstart verfügt nun auch die YoungStar-Achterbahn "Pegasus" über diese Technik. Was die Fahrgäste vor ihren Augen sehen, ist eine fantastische, virtuelle Traumwelt, die MackMedia entwickelt hat und die exakt auf die Streckenprofile und die Fahrtdauer des "Alpenexpress Coastiality" und "Pegasus Coastiality" abgestimmt ist.

Parkscout: Die ersten Versuche fanden ja noch mit Oculus-Rift-Brillen statt. Warum wurde dieses System gewechselt und welche Vorteile bringt das heute eingesetzte Samsung Gear VR?

Michael Mack: Die Samsung Gear VR erfüllt momentan am besten die Bedürfnisse für einen VR-Ride. Aufgrund der Erschütterungen ist es beispielsweise nicht möglich, einen PC, wie er für die Oculus Rift erforderlich ist, auf einem Achterbahnwagen mitfahren zu lassen. Außerdem würde das Kabel der Oculus Rift viele zusätzliche Sicherheitsprobleme mit sich bringen. Eine mobile VR-Brille mit integriertem Rechner löst diese Probleme und lässt sich außerdem leicht reinigen und austauschen. Die Samsung Gear VR bietet dabei als einziges mobiles VR-Headset aufgrund ihrer integrierten Oculus-Sensoren die gleiche hohe Tracking-Qualität wie die Oculus Rift und hat dabei auch eine deutlich höhere Bildauflösung. Der Content wird über ein Smartphone, das sich in der VR-Brille befindet, abgespielt.

VR Coaster © Europa-Park
© Europa-Park
"Pegasus" mit VR-Brillen
Parkscout: Wie erfolgt die Reinigung der Brillen und kann dabei die Keimfreiheit für die Fahrgäste garantiert werden – zum Beispiel im Falle einer Bindehautentzündung des Vornutzers?

Michael Mack: Nach jeder Fahrt werden die VR-Brillen mit speziellen Desinfektionstüchern- und mitteln gereinigt. Sobald also die Headsets am Ausgang abgegeben wurden, werden sie von unserem Personal auf ihre Funktion hin überprüft. Dazu zählt eben auch das Reinigen der jeweiligen VR-Brille. Der Schutz unserer Gäste vor übertragbaren Krankheiten liegt uns genauso am Herzen wie die Sicherheit in den Achterbahnen allgemein.

Parkscout: Eines der Hauptprobleme bei VR-Brillen ist ja die bei vielen Menschen auftauchende "Motion Sickness" - bei VR Coaster hingegen ist dieser Effekt nicht zu verzeichnen. Hängt dies mit der perfekten Synchronisierung der virtuellen Realität mit den gefühlten Bewegungen während der Achterbahn zusammen und wie wurde dies technisch umgesetzt?

Michael Mack: Richtig - der Europa-Park ist mit seinem derzeitigen Case und Headset von Samsung (Samsung Gear VR-Brille) hervorragend aufgestellt. Die Animationen auf den Achterbahnen werden perfekt synchronisiert widergegeben, deshalb entsteht bei unseren Besuchern das Phänomen der "Motion Sickness" auch überhaupt nicht. Der Körper fühlt, was das Auge sieht. Wir haben den Test gemacht: schaut man unsere Animation auf einem unbeweglichen Sitz, wird einem sehr schnell schlecht. Da sind wir mit unserer Technik am Markt führend.

Parkscout: Trotz der recht hohen Auflösung der Samsung-Screens sind bei genauem Hinschauen immer noch einzelne Pixel erkennbar. Wie hoch müsste die Pixeldichte sein, damit das menschliche Auge ein völlig real erscheinendes Bild wahrnehmen kann und wann rechnen Sie mit einer entsprechenden technisch möglichen Aufrüstung?

Michael Mack: Die Grafikmöglichkeiten sind schon jetzt erstaunlich gut und reichen zum Vergleich an die Qualität einer Playstation 3 heran. Da standardisierte Handymodelle von Samsung verwendet werden, liegt die Auflösung derzeit stets bei 1440x2560 Pixeln. Mit der Weiterentwicklung der Smartphones, die stets fortschreitet, wird auch die Qualität für das VR-Erlebnis besser. Hier sind wir stark von der Entwicklungsgeschwindigkeit der Hersteller abhängig. Ein konkreter Zeitpunkt lässt sich daher für uns nicht festmachen.

VR Coaster © Europa-Park
© Europa-Park
VR auf dem Alpenexpress
Parkscout: Gibt es schon konkrete Pläne zur Implementierung interaktiver Elemente in das VR-Coaster-System? Denkbar wären ja beispielsweise Shooter-Sequenzen mit Joypads oder gar mit Gestensteuerungssystemen …

Michael Mack: Ja, dies haben wir bereits auf der Freizeitparkfachmesse IAAPA Attractions Expo in Orlando/Florida auf einer Achterbahn mit einer VR-Coaster-Demo-Installation demonstriert. Die Gäste können beispielsweise mittels Kopfdrehung eine Laserkanone ausrichten und über das integrierte Touchpad (oder auch einen Knopf am Haltebügel der Achterbahn) Schüsse auslösen. Auf die gleiche Weise kann, etwa bei einer virtuellen Explosion, auch eine Rückmeldung der App im VR-Headset an den Achterbahnwagen erfolgen, wodurch dieser dann ein Vibrieren des Fahrgastsitzes auslöst. Das gesamte Konzept der automatischen Synchronisierung und Kommunikation eines Fahrgeschäftes mit mobilen VR-Headsets wurde von uns auch bereits zum Patent angemeldet, da es noch viele weitere revolutionäre Möglichkeiten eröffnet, die auch über den Bereich von Fahrgeschäften hinausgehen. Wir gehen davon aus, dass es in Zukunft interaktive VR-Rides definitiv geben wird.

Parkscout: Ihr System basiert ja auf Virtual Reality, also der Erzeugung einer vollständigen virtuellen Realität. Wäre der nächste logische Schritt nicht die Entwicklung eines Augmented-Reality-Systems, bei der die Realität virtuell erweitert wird? Ein solches System dürfte beispielsweise für Darkrides ein spannendes Thema sein, wenn echte Kulissen von auf die Brille projizierten Charakteren belebt werden.

Michael Mack: Die Augmented Reality sowie die Virtual Reality stehen im Europa-Park – hinsichtlich seiner Integration und Weiterentwicklung – unter genauer Beobachtung. Es wird in beide Zweige investiert, um schon bald noch intensiver die analoge mit der digitalen Welt im Park verbinden zu können.

Gehen Sie aber davon aus, dass die VR-Technologie den klassischen Freizeitpark nicht ersetzen und überflüssig machen wird. Vielmehr kann und wird die Technologie als Ergänzung und Erweiterung des bestehenden, stationären Unterhaltungsangebots zu verstehen sein, die zu einer Aufwertung des jeweiligen Fahrgeschäfts führen wird. Auch in Zukunft werden authentische beziehungsweise fantasievolle und detailgetreue Thematisierungen in Freizeitparks notwendig sein, um Besucher zu begeistern und zu fesseln. Das "Begreifen", "Erlaufen" und "Erleben" der jeweiligen Themenbereiche und das "Wahrnehmen" mit seinen eigenen Sinnen, wird noch lange Zeit das dominante Element im Gesamterlebnis "Freizeitpark" sein.

© parkscout/MV




 




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