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Dienstag, den 29.06.2010 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Freizeitparks und Magazin zu finden.

Achtung, alter Parkscout-Artikel

Werner Stengel - der Achterbahn-Guru


Werner Stengel (Bild copyright: Andreas Fechner/laif
Kein anderer Ingenieur hat das Bild der modernen Achterbahnen mit seinen Erfindungen und Konstruktionen so nachhaltig geprägt wie Werner Stengel. Der 1936 geborene Bochumer gilt heute nicht nur unter Fans als "Coaster-Guru", sondern zeichnet mit seinem in München ansässigen Ingenieurbüro inzwischen für mehr als 500 Achterbahnen auf der ganzen Welt verantwortlich.

Nach dem Studium des Bauingenieurswesens an der Universität Kassel begann Stengel bereits im Jahre 1963 die lange und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem deutschen Konstrukteur Anton Schwarzkopf – dies war auch gleichzeitig die Geburtsstunde der ersten deutschen Stahlachterbahn "Super Acht", für die Stengel die statischen Berechnungen durchführte und welche im darauf folgenden Jahr auf dem Münchener Oktoberfest ihre Premiere feierte. Während Werner Stengel sein Büro anschließend im Jahre 1965 gründete, erlangte er 1966 an der Ludwig-Maximilians-Universität München sein Diplom als Ingenieur.

In den Folgejahren arbeiteten Stengel und sein Team weiterhin eng mit Schwarzkopf zusammen und lieferten für zahlreiche Fahregschäfte und andere Anlagen statische und dynamische Berechnungen. Der findige Ingenieur war es auch schließlich, der erkannte, dass ein kreisrunder Looping, wie er in früheren Zeiten üblich war, eine sehr hohe Belastung auf den menschlichen Körper ausübte, und dass diese Belastung durch einen Looping in Klothoidform erheblich abnimmt. Diese neue, von ihm entwickelte Form eines Loopings ist seit ihrem ersten Einsatz 1976 bei der Anlage "Revolution" im amerikanischen Six Flags Magic Mountain bis heute weltweiter Standard geworden und nicht mehr aus dem Repertoire heutiger Achterbahnen wegzudenken.
Werner Stengel vor "Mammut"
Noch im gleichen Jahr entwickelte Stengel das Prinzip der Herzlinie bei Achterbahnen, das nicht nur neue und wilde Fahrelemente ermöglichte, sondern die Belastungen für den Körper ebenfalls erheblich abnehmen ließ. Auch die heute von vielen Coaster-Fans so geliebte Airtime, also das Gefühl der Schwerelosigkeit auf einer Achterbahn, geht in Form einer Parabel auf sein Konto: die "Himalaya Bahn" bot ihren Fahrgästen ab 1982 zum ersten Mal dieses nervenkitzelnde Erlebnis. Doch die kreativen Ideen von Werner Stengel gingen nicht aus: 1990 arbeitete er am ersten Spinning Coaster, 1991 am ersten Inverted Coaster der Welt.

Inzwischen war Stengel schon längst kein normaler Achterbahn-Ingenieur mehr, sondern wurde in seiner Branche zu einer lebenden Legende. Während ihm noch 1992 ein Preis für die Entwicklung des berühmten "Olympia Looping", der auch heute noch auf den Volksfesten in Deutschland zu finden ist, überreicht wurde, saß er schon längst an den Berechnungen für den ersten transportablen Inverted Coaster der Welt, der noch bis vor kurzem als "Euro Star" auf den großen Kirmesplätzen zu finden war und vor zwei Jahren in den Gorky Park nach Russland verkauft wurde. Obwohl Werner Stengel im Jahre 2001 nach der Realisierung der "Expedition GeForce" im Holiday Park die Geschäftsführung an seine beiden Partner Harald Wanner und Andreas Wild übertrug und seitdem als Consultant tätig ist, arbeitete er trotzdem auch weiterhin an großen neuen Anlagen wie beispielsweise die heute immer noch höchsten Coaster der Welt, "Top Thrill Dragster" im amerikanischen Cedar Point und "Kingda Ka" in Six Flags Great Adventure.

Zu den zahlreichen Auszeichnungen und Preisen, die Werner Stengel bisher verliehen wurden, gehören unter anderen das Bundesverdienstkreuz, die Ehrendoktorschaft der Universität Göteborg und der "Hall of Fame"-Award der IAAPA für sein Lebenswerk. Als im Jahre 2002 die 50 besten Achterbahnen der Welt von der "Amusement Today" publiziert wurden, war Stengel an 35 dieser Anlagen beteiligt. Alleine dies belegt sicherlich eindrucksvoll den Einfluss, den Werner Stengel und sein Team auf die Geschichte der modernen Achterbahnen gehabt haben – ohne seine Ideen, ohne seine Kreativität und ohne seinen Mut zu neuen Entwicklungen wäre der Thrill, dem wir uns alle bei einem Coaster so gerne hingeben, schlicht und ergreifend niemals Realität geworden.

© parkscout/MV




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