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Donnerstag, den 27.09.2012 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Zoos und Tierparks und Pressemeldungen zu finden.

Die Menschenfressertomate in der Wilhelma


PressemitteilungSie trägt so illustre Namen wie Menschenfressertomate, Kannibalentomate oder auch Poro Poro. Namen, die nicht nur merkwürdig klingen, sondern zugegebenermaßen auch einen etwas delikaten Hintergrund haben. Denn diese Tomaten sollen auf den Fidschi-Inseln ursprünglich von Kannibalen als Zutat verwendet worden sein, um Menschenfleisch genießbarer zu machen. Wie auch immer – im Wintergarten ist die Menschenfressertomate derzeit zu besichtigen: als optisch nicht weiter auffällige, aber aufgrund ihrer Herkunft dennoch außergewöhnliche Randerscheinung der Chili-Ausstellung.

Die Menschenfressertomate passt sehr gut in die direkte Nachbarschaft der aktuell im Wintergarten präsentierten Variationen von scharfen und ultrascharfen Chili-Pflanzen, die hier voraussichtlich noch bis Mitte Oktober zu sehen sind. Scharf ist die Tomate zwar nicht, aber auch sie gehört wie Chilis und Paprika in die riesige Familie der Nachtschattengewächse, wie übrigens auch Auberginen und Kartoffeln. Und nicht nur das: Ursprünglich wurde sie sogar als angebliche Chili-Pflanze an die Wilhelma geliefert. Ein Irrtum, wie die Botaniker bei genauerer Betrachtung bald herausfanden – doch stießen sie dadurch auch auf eine durchaus bemerkenswerte Pflanzengeschichte.

Der bekannte Teil der Geschichte der Menschenfressertomate begann zwischen 1772 und 1775, als die Pflanze während der zweiten Forschungsreise von James Cook in die botanischen Sammlungen der Entdecker geriet. Wissenschaftlich korrekt beschrieben wurde sie aber erst 1807 vom deutschen Mediziner und Botaniker Kurt Sprengel unter dem Namen "Solanum viride" (Solanus = Ostwind, viride = das Grün). Danach erhielt die Tomate noch weitere Bezeichnungen, am gebräuchlichsten wurde "Solanum uporo", wie sie 1852 der französische Botaniker Michel Francois Dunal nannte. Den markanten Namen "Menschenfressertomate" bzw. "Solanum anthropophagorum" (anthropo = Mensch, phagorum = fressend) gab ihr 1864 schließlich der Naturforscher Berthold Seemann. Er wollte von den teils noch kannibalisch lebenden Fidschi-Insulanern erfahren haben, dass diese mithilfe der gekochten Tomate die Bekömmlichkeit des schwer verdaulichen Menschenfleisches zu steigern pflegten. Oft wurde die Pflanze direkt neben den Hütten kultiviert, in welche die gefallenen Kriegsgegner gebracht wurden – um später gemeinsam mit diesen im Kochtopf zu landen.

Heute erinnert nur noch der kuriose Name der Menschenfressertomate an diese makaberen Zeiten. Aber was hat sie nun wirklich kulinarisch zu bieten? Zwar werden ihre Früchte nicht besonders groß und schmecken trotz saftig-roter Farbe im Rohzustand etwas bitter, doch zu Soße verkocht verliert sich das leicht herbe Aroma. Auch die Blätter sind verwertbar, etwa als Zutat im Salat. Wozu die Tomate danach serviert wird, bleibt ansonsten der – hoffentlich guten – Laune des Kochs überlassen.

© Wilhelma - Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart




 




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