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Bitte beachten: Dieses ist ein klassischer Parkscout-Artikel, der bestmöglichst an das neue Layout angepasst wurde
12.06.2009 | Zoos und Tierparks | Magazin

Ein Tag im Burgers Zoo


Burgers Bush
Der Burgers Zoo bei Arnheim in den Niederlanden gehört zu den bekanntesten und vor allem bei Experten beliebtesten Zoos Europas. Eine artgerechte Haltung verknüpft mit hohem gestalterischen Aufwand macht ihn zu einem Vorzeigeobjekt für zahlreiche Tierfreunde. Allerdings gibt es – wie man an den Lesermeinungen sehen kann – durchaus auch kritische Stimmen, denen ich mich, um es vorweg zu nehmen, leider auch anschließen muß. Der folgende Bericht spiegelt daher auch nur meine ganz persönliche Meinung über den Burgers Zoo wieder, die bei einigen sicherlich nicht auf Gegenliebe stoßen wird ...

Feiertag in Deutschland, in den Niederlanden wird gearbeitet. Was liegt also näher, als einen kleinen Ausflug in unser Nachbarland zu wagen. Diesmal soll es mal kein Freizeitpark sein – das Ziel ist der hochgelobte Burgers Zoo in Arnheim kurz hinter der deutschen Grenze. Mit einem Eintrittspreis von 18 EUR für Erwachsene kein günstiges Vergnügen – doch die Neugierde auf den Zoo, der vor kurzem noch eine Auszeichnung als "Freizeitpark des Jahres 2008" in Holland bekommen hatte, war einfach zu groß. Daß an den Kassen keine Kreditkarten akzeptiert werden, ist hingegen ein echtes Ärgernis – so etwas sollte für einen Park dieser Größenordnung inzwischen eine Selbstverständlichkeit sein.

Die Highlights des Zoos sind die sogenannten "Ecodisplays", riesige Hallen mit Pflanzen- und Tierbestand, die einen Ausschnitt der natürlichen Lebensbedingungen in verschiedenen Regionen der Erde zeigen sollen. So führt es uns auch als erstes in "Burgers Bush", ein rund 1,5 Hektar großes Tropenhaus mit 17 Meter hohem Wasserfall, Abenteuerpfaden und Restaurant. Der erste Eindruck ist schon sehr imponierend – der Regenwald wirkt real und lädt zu ausgedehnten Entdeckungstouren ein. Allerdings regt sich in mir nach nur wenigen Minuten der dringende Wunsch, die Halle schnellstmöglich zu verlassen. Bedingt durch das tropische Klima in "Burgers Bush" ist man schon nach kürzester Zeit völlig verschwitzt, das Atmen fällt nach wenigen Schritten immer schwerer. Der Tierbestand beinhaltet in der Hauptsache Vögel und kleinere Reptilien – also eher Nebendarsteller in der umfangreichen Besetzungsliste bei einem Zoo. Die soll es dann draußen geben bei "Burgers Safari".
Burgers Desert
Früher konnte man mit einem PKW oder einem Bähnchen durch die riesigen Außengehege von Giraffen, Nashörnern, Zebras oder Gnus fahren. Heute betrachtet man die Tiere von einer nach Zooangaben 200 Meter langen überdachten Brücke. Was sich auf dem Papier aufregend anhört, entpuppt sich dann in der Realität als eher ernüchternd. Eigentlich handelt es sich hierbei um einen "aufgebockten" Steg, der an den Gehegen vorbeiführt – die Überdachung ist auch nicht durchgehend. Wer also glauben sollte, bei Regen trockenen Fußes "Burgers Safari" erleben zu können, sollte trotzdem besser einen Schirm einpacken. Die Entfernungen zwischen den Besuchern und den Tieren sind teilweise aufgrund der schieren Größe der Gehege grotesk – während man in anderen Zoos Giraffen aus nächster Nähe beobachten kann, braucht nan hier schon fast ein Fernglas.

Als nächstes steht bei uns "Burgers Desert" auf dem Programm, das zweite "Ecodisplay" des Parks, bei dem sich alles um das Thema "Steinwüste" und deren Bewohner drehen soll. Da es hier bei weitem nicht so heiß und schwül ist wie beim benachbarten Tropenhaus, lädt diese Halle auch zu einem längeren Verweilen ein. Allerdings erinnert hier alles eher an einen Botanischen Garten: Kakteen, Sukkulenten, Agaven und Palmen in einem gigantischen Gewächshaus, in dem Vögel und Reptilien erneut die Hauptrollen übernehmen. Zwar gibt es auch noch ein paar wenige größere Tiere wie Dickhornschafe und Rotluchse zu sehen, jedoch liegt das Hauptaugenmerk eher auf der allgemeinen Gestaltung. Das erste größere Schild, das mir auffällt, weist auf einen versteinerten Baumstumpf vor meinen Füßen hin. Naja, ein paar interessante Tiere wären mir lieber gewesen ...

Burgers Ocean
Diese hingegen gibt es dann im älteren Teil des Zoos zu sehen. Hier findet man endlich die großen Stars eines jeden Tierparks: Elefanten, Menschenaffen oder die beliebten Erdmännchen – allerdings ohne den gartenbautechnischen Overkill der erwähnten "Ecodisplays". Die Gehege wirken dadurch im direkten Vergleich zu den Luxusbehausungen der Einwohner von Busch und Wüste nahezu lieblos – das gibt es alles schon weitaus gelungener und moderner in zahlreichen deutschen Tierparks.

Der letzte Weg führt uns schließlich zu "Burgers Ocean", das dritte und mit Abstand gelungenste "Ecodisplay" des Zoos. Riesige Becken mit Haien, Rochen und anderen Meeresbewohnern warten hier auf die Besucher. Das ist zwar im Prinzip nichts anderes als die bekannten Sea Life Centers, allerdings mit weitaus größeren Dimensionen. Daß der Tierbestand in den einzelnen Aquarien etwas "farblos" ausgefallen ist, mag ein wenig schade sein, kann den insgesamt positiven Eindruck aber nicht wirklich stören.

Weitaus negativer fällt hingegen die oftmals unübersichtliche Wegeführung im gesamten Zoo ins Gewicht, vor allem in den "Ecodisplays". Außerdem gibt es noch Punktabzüge für die Gastronomie. Hier schlagen eine Krokett mit ein paar wenigen labbrigen Pommes, ein kleines Croissant mit Käse und eine Cola mit 10 EUR zu Buche. Ein halber Liter Cola kostet übrigens fast 3,20 EUR, beim stillen Wasser wird's noch extremer: 4,20 EUR für einen halben Liter sind rekordverdächtig.

Mit seinen drei "Ecodisplays" und der Safari bietet der Burgers Zoo sicherlich etwas Außergewöhnliches. Doch ganz im Gegensatz zu beispielsweise dem Allwetterzoo in Münster, wo man gezielt auf das Zusammenführen von Menschen und Tieren setzt, ist in Arnheim stets eine latente Grenze vorhanden, was den Zoo zumindest für mich erschreckend uninteressant macht. Zu oft sind die Tiere einfach zu weit entfernt, zu museal ist der Charakter der drei Displays. Die Beschilderungen der Gehege sind zwar zweckmäßig, haben jedoch den Charme einer Kunstausstellung. Kindgerechte oder gar interaktive Beschreibungen wie in vielen deutschen Zoos sucht man hier vergebens. Das alles mag zwar wissenschaftlich höchst ambitioniert sein, allerdings bleibt der Spaß und vor allem das Interesse an den Tieren dabei auf der Strecke.



© parkscout/MV