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Freitag, den 08.02.2013 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Gärten und Pressemeldungen zu finden.

Kamelien erblühen in der Wilhelma


PressemitteilungErst Regen, später Schnee, dann Schneeregen: Tag für Tag nichts als Schmuddelwetter. Und selbst wenn der graue Himmel einmal von ein paar Sonnenstrahlen durchbrochen wird, treffen diese nur auf matschig braun-grüne – oder bestenfalls weiß eingefärbte – Landschaften. Da hilft nur ein Rezept: bunte Blumensträuße aufstellen oder sich in den Wilhelma-Gewächshäusern an den soeben erblühenden Kamelien laben. Einige der Sträucher haben ihre Knospen bereits geöffnet, der Höhepunkt der Blütezeit wird für Mitte bis Ende Februar erwartet.

"Sasanqua, auf Chinesisch, ist ein kleiner Baum, 6 bis 8 Fuß hoch, hat dicke, steife rundum gekerbte Blätter wie Birn-Baum-Blätter. Seine Blumen sind rot, einfach und duppelt. Wenn sie sechs Tage geblühet, fallen sie ab und bringen einen schwarzen Samen, wie Tee-Samen, herfür. Von dem getrockneten Samen schlagen sie ein Öl ab, mit welchem, wegen guten Geruchs, das japponische Frauenzimmer ihre langen schwarzen Haare schmieren ..." So beschrieb 1692 der Hofgärtner und Botaniker Georg Meister eine von ihm in China gesichtete Pflanze in seinem Reisebericht "Der Orientalisch-Indianische Kunst- und Lustgärtner". Und obgleich Wortwahl und Stil unseren aktuellen Sprachgewohnheiten nicht mehr ganz entsprechen, kann man die Kamelie, die damals allerdings noch nicht so hieß, in dieser Schilderung gut wiedererkennen. Ihren heutigen botanischen Namen bekam sie erst einige Jahre später, 1735, von dem bekannten Botaniker Carl von Linné: Er taufte sie passend zu ihrer Herkunft und zu Ehren des mährischen Jesuitenpaters Georg Joseph Kamel "Camellia japonica".

In ihrer Heimat Ostasien gehört die Kamelie zu den ältesten Kulturpflanzen. Hier galt sie als Symbol für Freundschaft und Harmonie und spielte bei Hof- sowie Teezeremonien eine wichtige Rolle. Ab dem 16. Jahrhundert brachten sie portugiesische Seefahrer, später dann die Briten nach Europa. Hier kam die Pflanze vor allem im 19. Jahrhundert ganz groß in Mode. Allerdings nur in hochwohlgeborenen Kreisen, andere konnten sich die teuren Ziergewächse "made" in Japan und China nicht leisten. Kunst, Musik und Literatur entdeckten den Zauber der asiatischen Blume ebenfalls für sich und ließen sie im Roman "Die Kameliendame" von Alexandre Dumas und in Guiseppe Verdis Oper "La Traviata" unsterblich werden.

Auch König Wilhelm I. von Württemberg erlag 1845 dem Charme der blühenden Exotinnen aus dem Land der aufgehenden Sonne. Er ließ sich von seinem Hofgärtner eigens 200 gut gewachsene Exemplare besorgen und auf dem Flussweg nach Cannstatt in die gerade entstehende Wilhelma schippern. Immerhin 25 dieser Ziersträucher haben hier bis heute überdauert, sind also über 165 Jahre alt. Die Besucher können sie leicht erkennen, denn die betagten Pflanzen überragen ihre jüngeren Artgenossinnen im Schaugewächshaus deutlich und besitzen kräftigere Stämme und Äste. Zwei der Prachtexemplare erwarten die vom Wintergarten kommenden Besucher gleich beim Eingang des Kamelienhauses. Einige der stattlichen Seniorinnen müssen inzwischen sogar tiefergelegt, also in Betonschächte gebettet werden, damit sie überhaupt noch ins Schauhaus passen. 150 Arten und Sorten umfasst der Hofstaat der Kamelien heute in der Wilhelma. Und während es draußen noch graupelt oder schneit, schwelgt drinnen jede auf ihre Art in weißen, roten, rosa- oder purpurfarbenen Blütenträumen. Wer mitträumen und dabei selbst ein wenig aufblühen möchte, der kann dies noch bis Ende Februar zum günstigen Wintertarif.

© Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart




 




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