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Freitag, den 23.11.2012 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Zoos und Tierparks und Pressemeldungen zu finden.

Wilhelma Stuttgart - Neuer Bulle bei den seltenen Bongo-Antilopen


PressemitteilungDie kleine Herde Bongo-Antilopen der Wilhelma hat nach dreijähriger Pause endlich wieder ein männliches Mitglied bekommen: Der neue Bulle im Ring heißt "Tambo", was auf Suaheli "Stärke" bedeutet, ist keine zwei Jahre alt und kam Ende Oktober aus Duisburg an den Neckar. Mittlerweile ist er auf der Anlage für afrikanische Huftiere auch für die Besucher zu sehen und dank seinem dunkleren Fell von den helleren, rotbraunen Kühen gut zu unterscheiden.

Noch haben die Bongo-Damen Asante, Cindy, Britta und deren Tochter Wilma mit dem "Neuen" nicht viel am Hut. Nähert er sich ihnen, weichen sie aus oder rennen gar davon. Das ist jedoch kein Wunder, denn seit dem Tod des letzten Zuchtbullen vor drei Jahren sind die Kühe keine männliche Gesellschaft mehr gewöhnt – und in der Wildbahn bleiben Kühe samt Nachwuchs ohnehin meist unter sich. Dabei will der junge Bulle bislang gar nicht viel von den Damen, sondern eigentlich nur spielen, wie Revierleiter Daniel Wenning erklärt. Genau genommen ist der im Februar 2011 geborene Tambo nämlich noch ein Teenager, erst mit zwei Jahren gelten Bongos als geschlechtsreif. Es kann also ein paar Monate dauern, bis es zwischen Tambo und den Kühen "funkt" – und endlich wieder mit Nachwuchs zu rechnen ist. Rund 50 Kälber wurden bereits in Stuttgart geboren, seit die Wilhelma 1980 mit der Haltung und Zucht der östlichen Unterart der Waldantilopen begonnen hat.

In ihrer ursprünglichen Heimat Kenia kommt die Bongo-Antilope nur noch in vier voneinander isolierten Gebieten vor, ein genetischer Austausch zwischen den Populationen ist daher nicht möglich. Aufgrund von Wilderei und wachsendem Druck auf den verbliebenen Lebensraum schrumpfte der Bestand stetig, 2008 ging man von nur noch 60 bis 130 Tieren in allen vier Gebieten aus. Allerdings sind Bongos auch schwer zu finden und damit zu zählen, denn sie sind sehr scheu und durch die weiße Streifen- und Fleckenzeichnung auf ihrem braunen Fell im Spiel von Licht und Schatten des Waldes gut getarnt. Die Population in den Zoos dagegen ist in einer internationalen Datenbank erfasst: Rund 370 Vertreter der östlichen Bongo-Art leben hier weltweit, also vermutlich deutlich mehr als in der Wildbahn.

Dem natürlichen Bedürfnis nach Rückzugsorten und Sichtschutz der schreckhaften Tiere kommt die Wilhelma mit Holzpalisaden im Gehege entgegen – ein Kompromiss, um die Antilopen den Augen der Betrachter nicht völlig zu entziehen. Diesen würde in der Tat etwas entgehen, denn Bongos sind ausgesprochen schöne Tiere. Im Gegensatz zu ihren nächsten Verwandten, den Kudu- und Nyala-Antilopen, tragen bei ihnen auch die Kühe Hörner. Sie sind aber schmaler als die der Bullen und liegen enger beieinander, teils gabeln sich die Spitzen sogar wie bei der Kuh Cindy. Bis zu einem Meter lang werden die leicht gewundenen Hörner, die von Tambo können somit noch ein gutes Stück wachsen. Immerhin durchwühlt er damit schon tüchtig den Boden des Außengeheges, um sein Revier zu markieren. Es ist also sicher nur eine Frage der Zeit, bis der junge Bulle es schafft, dass ihm die Kühe nicht mehr nur die kalte Schulter zeigen – und Tambo seine wahren Stärken ausspielen kann.

© Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart




 




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