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Schloss Beck in Bottrop



Montag, den 05.09.2016 | Dieser Beitrag ist in den Rubriken Magazin und Freizeitparks zu finden.

Freizeitpark mit Wasserschloss


Wenn man an einen Freizeitpark in Bottrop denkt, fällt den meisten wohl als allererstes der Movie Park Germany ein. Dabei geht oft völlig unter, dass gleich neben dem bekannten Film- und Entertainmentpark mit Schloss Beck ein weiteres Ausflugsziel zu finden ist, das sich allerdings im Gegensatz zum benachbarten Großpark eher an Familien mit kleineren Kindern richtet.

Mittelpunkt des Parks ist das namensgebende Wasserschloss Beck, das man wohl zu den schönsten barocken Baudenkmälern Westfalens zählen darf. Von dem bekannten Paderborner Barockbaumeister und Architekten Johann Conrad Schlaun im späteren 18. Jahrhundert für den hochrangigen Offizier Friedrich Florenz Raban von der Wenge als Lustschloss erbaut, überstand es zwar unbeschädigt beide Weltkriege, verfiel jedoch im Laufe der Zeit zusehends. Vor fünfzig Jahren kaufte die Familie Kuchenbäcker das Anwesen und begann mit aufwändigen Restaurierungsarbeiten, das Schloss wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen.

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Wir wollten von Renate Kuchenbäcker, Geschäftsführerin von Schloss Beck, etwas genauer wissen, wie es zu der Entstehung des eigentlichen Freizeitparks kam und wie sich dieser im Laufe der Jahre entwickelt hat.

Schloss Beck in Bottrop
Schloss Beck
Parkscout: In unmittelbarer Nähe zum Schloss Beck befand sich eigentlich immer ein anderer großer Freizeitpark. Wenn man das Gleichnis David gegen Goliath bemüht, dann sind Sie immer noch da, während große bekannte Namen wie Bavaria oder Warner Bros. den Standort aufgegeben haben. Was machen Sie anders als diese ganzen Konkurrenten?

Renate Kuchenbäcker: Dafür muss ich etwas weiter ausholen. Wir haben im Jahre 1966, als wir Schloss Beck gekauft hatten, mit viel Mut ganz klein angefangen – zuerst mit Tanzveranstaltungen. Man muss dazu sagen, dass in dem Gebiet Dank der Wälder viele Spaziergänger und viele Wanderer unterwegs waren – es handelte sich also keinesfalls um eine tote Ecke. Trotzdem waren wir überrascht, welche Menschenmassen durch den Park marschierten. Im nächsten Jahr überlegten wir uns schließlich, was wir tun könnten, damit die Eltern sitzen bleiben und die Kinder etwas zum Spielen haben. Im September 1967 eröffneten wir hinter dem Herrenhaus einen Spielplatz, unter anderem mit Teufelsrad, einer elektrischen Eisenbahn und Ponys. Wir hatten damals Glück, dass es einen ungewöhnlich langen und warmen Sommer gab, der bis in den November hinein reichte. Für den Spielplatz investierten wir 29.000 D-Mark, die wir bei einem Eintritt von fünfzig Pfennig noch bis zum Saisonende wieder erwirtschaften konnten – in dieser kurzen Zeit hatten wir also über 50.000 Gäste bei uns gehabt. Im Winter gab es samstags und sonntags weiterhin Tanz mit Musikkapellen.

Zeitgleich hatte übrigens auch ein Märchenwald nebenan eröffnet, der von prominenten Leuten aus Kirchhellen gegründet wurde. Diese Konkurrenzsituation war damals sehr mühsam für beide Seiten, und 1976 wurde der Märchenwald verkauft – ein Jahr später eröffnete dann der Traumlandpark mit größeren Fahrattraktionen. Mein Mann war Kaufmann, daher war unser Grundsatz immer, möglichst preiswert zu bleiben – und auf diesem Level sind wir immer geblieben.

1979 kam die Veba in Geldschwierigkeiten, was sich für uns als Glücksfall erwies. Wir konnten so unser Grundstück erweitern und unter anderem den Teich und eine Sumpfwiese hinzukaufen, die aufgefüllt wurde, um dort Fahrgeschäfte errichten zu können. Ein wichtiges Jahr für uns war zweifellos 1986, als wir durch den Bau unserer Achterbahn erstmalig mehr als 100.000 Besucher zählen konnten. Einen weiteren großen Sprung gab es, als die Bavaria kam und wir die Marke von 250.000 Gästen überschritten. Wir konnten damals viele Besucher von Bavaria abschöpfen, da deren Konzept im Ruhrgebiet nicht aufging, und hatten teilweise sogar mehr Besucher.
Achrterbahn im Schloss Beck
Achterbahn im Schloss Beck
Parkscout: Und dann kam Warner: Was waren Ihre ersten Gedanken, als Sie erfahren haben, dass der mächtige Unterhaltungsgigant aus den USA sozusagen in Ihrem Vorgarten einen großen Freizeitpark nach amerikanischem Vorbild eröffnen wollte?

Renate Kuchenbäcker: Wir waren ein Jahr vorher in Australien und hatten uns dort die Warner Bros. Movie World angeschaut, nach deren Vorbild der Park nebenan ja gebaut werden sollte. Als wir dort alles gesehen hatten, haben wir sofort gesagt: Der kann uns nichts anhaben. Und sind beruhigt wieder nach Hause gefahren ohne uns irgendwie zu fürchten. Wir sind zwar nicht mehr weiter gewachsen, aber diese Zeiten sind ohnehin vorbei.

Parkscout: Gab es eigentlich seinerzeit Ambitionen seitens Warner, Schloss Beck für eine Erweiterung der zur Verfügung stehenden Fläche aufzukaufen?

Renate Kuchenbäcker: Oh ja, die gab es in der Tat. Warner wollte uns kaufen und hatte uns auch hohe Summen geboten, aber wir wollten nicht verkaufen.

Parkscout: Leider gibt es für Schloss Beck und für den Movie Park Germany ja nur eine gemeinsame Zufahrtsstraße, so dass Ihre Gäste bei starkem Besucherandrang nebenan ebenfalls in dem daraus resultierenden Stau von der Autobahn stehen. Haben solche Tage für Sie organisatorische Auswirkungen?

Baumwipfelpfad
Baumwipfelpfad
Renate Kuchenbäcker: Es kam früher öfter vor, dass Besucher, die eigentlich zu uns wollten, auf den Parkplatz von Warner geleitet wurden und dann einen langen Fußweg zu uns in Kauf nehmen mussten. Diesbezüglich hatten wir auch mal einen Prozess geführt, aber heute ist das alles eigentlich gut geregelt. Die Zusammenarbeit mit Warner oder auch jetzt mit dem Movie Park ist durchaus konstruktiv.

Parkscout: Ihr Eintrittspreis ist sehr familienfreundlich, auch die Preise für die angebotenen Speisen und Getränke halten sich in einem erfreulich niedrigen Rahmen. Gehört dies auch zum Konzept von Schloss Beck, den Besuchern einen schönen, aber eben nicht teuren Tag zu bieten?

Renate Kuchenbäcker: Ja, absolut. Das ist, wie schon erwähnt, ein kaufmännisches Grundprinzip. Mein Mann hatte den ersten Supermarkt in Marl gebaut und schon damals war die Devise "preiswert und gut". Wobei wir übrigens trotzdem ein gehobeneres Publikum bei uns haben – Probleme mit Jugendlichen gibt es keine. Der Park ist geeignet für Kinder bis zehn oder zwölf Jahren, die Älteren gehen eher nach nebenan.

© parkscout/MV



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