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20.04.2012 | Freizeitparks | Kolumnen

Der sanitäre Supergau (Update)


In der Fernsehwerbung wimmelt es von Desinfektionsmitteln, Hyper-Mega-Perls für noch mehr Sauberkeit und Mittelchen zur endgültigen Steril-Vollkommenheit. Deutschland ist ein Volk von Reinheits-Enthusiasten und Antischmutz-Fanatikern. Könnte man zumindest glauben! Doch gegen die sanitären Anlagen in so manchem Freizeitpark wirken die öffentlichen Klohäuschen auf einem Großbahnhof fast schon wie ein peinlich sauberer Hygienetempel.

Aus männlicher Sicht sind zumindest die Urinale meist noch akzeptabel – auch wenn man gerne mal durch einen feuchten, gelblich schimmernden Flüssigkeitsfilm auf dem Boden waten muss. Katastrophal hingegen wird es oft, wenn man einem größeren Geschäft nachgeht, weil das Magengrummeln einfach stärker als das Ekelgefühl wird. Während in einigen Freizeitparks nämlich löblicherweise die sanitären Anlagen im Minutentakt vom Personal gereinigt werden, sieht es in so manchem anderen Park spätestens am Nachmittag im wahrsten Sinne des Wortes beschissen aus. Wer sich mal außerhalb der Halloween-Saison so richtig gruseln möchte, sollte einen tieferen Blick in die Abgründe der Toilettenanlagen in so einigen Großparks werfen. Man fragt sich wirklich, ob manche Besucher zu dämlich oder schlichtweg zu asozial sind, die vorhandenen Spülungen zu benutzen – Hauptsache, nach dem Verrichten werden die Hände gewaschen, da wird der Saulus wieder zum Paulus.

Es hängt versifftes Klopapier aus den Becken, der Boden glänzt auch hier verdächtig gelb und das, was man ansonsten zu sehen bekommt, dürfte vermutlich einzig und alleine Ernährungsexperten oder Menschen mit seltsamen Vorlieben interessieren. Gut, ein Park ist an vielen Tagen auch bis zum Bersten gefüllt – trotzdem sollte man vor allem seitens der Besucher im zivilisierten Mitteleuropa ein gewisses Maß an hygienischer Sorgfalt an den Tag legen.

Auch wenn der Nachwuchs mit nur einer Hand über der Kloschüssel balanciert werden muss, damit man mit der anderen das Toilettenpapier ergreifen kann: so schwierig kann das doch wohl nicht sein – zu Hause klappts ja schließlich auch. Trotzdem besteht eine immens hohe Trefferquote, nach dem Toilettenbesuch von Mama oder Papa mit kleinem Kind Überreste von wasauchimmer vorzufinden. "Nach mir die Sintflut" – so scheint wohl ein nicht gerade unbedeutender Teil der Gäste zu denken. Der Park solls halt richten – schließlich hat man ja viel Eintritt gezahlt! Dummerweise richtet der Park es halt oft nicht, teilweise kann er das aus logistischen Gründen auch gar nicht. Der Leidtragende ist der nächste Besucher. Rücksicht ist in einem Freizeitpark eben auch im Bereich der dringenden menschlichen Bedürfnisse manchmal ein Fremdwort. Und das ist – mit Verlaub – scheiße!

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Autoreninfo Mike Vester

Mike Vester beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema Freizeitparks / Kirmes und gehört heute zu den wichtigsten Autoren der Parkscout-Fachredaktion. Sein Hang zu Polemik und Übertreibungen ist zwar legendär, aber wer genau hinhört, merkt schnell, daß er mit seinem Motto "zeitlos, stillos, geschmacklos" zwischen den Zeilen immer genau den Punkt trifft. Der frühere Kleinkunst-Texter ist überzeugter Fan von allem, was mit dem Thema "Disney" zu tun hat und läßt dies auf seine liebenswert schrullige Art auch sicherlich öfter in seine Kolumne einfließen. In diesem Sinne also: Immer vester druff...

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