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08.09.2009 | Freizeitparks | Kolumnen

Gedanken zu Halloween


Kaum hat ein deutscher Fernsehsender ein Erfolgsrezept gefunden, um seine Quoten zu steigern, dauert es nicht lange, bis die Konkurrenz nachzieht, um auch ein Stück vom großen Kuchen zu bekommen. Das kennen wir alle – da wird um die Wette gekocht, rechtgesprochen, ausgewandert und tierisch gemenschelt bis die Satellitenschüssel auf dem Dach rot glüht. Dass der Zuschauer irgendwann aufgrund des thematischen Overkills nur noch mit den Achseln zuckt und nach Alternativen sucht, ist dabei nur eine Frage der Zeit.

Ganz ähnlich verhält es sich in den Freizeitparks im Oktober. Seitdem der heutige Movie Park Germany im Jahre 1998 zum ersten Mal das bis dahin eher nur unter Anglistikern und Horrorfilmfreaks bekannte "Halloween" mit Monsterbrut und Kunstblut nach Bottrop brachte und damit wohl einen der größten Erfolge in der Event-Geschichte deutscher Parks hinlegte, schielte die Konkurrenz neidisch ins Ruhrgebiet. Fast zeitgleich startete auch der Europa-Park im Süden der Republik eine ebenfalls erfolgreiche kinderfreundliche Variante des Kürbisfest. Und während in vielen anderen Parks im Herbst die Besucherzahlen mächtig zurückgingen, entwickelte sich der Oktober vor allem im Movie Park zur zweiten Hauptsaison – an Spitzentagen fanden mehr als 20.000 Gäste den Weg ins gelobte Gruselland.

Natürlich dauerte es bei einem solchen Erfolg nicht lange, bis die ersten Nachahmer das Licht der deutschen Freizeitparkszene erblickten. Der Heide-Park ließ es sich zum Beispiel nicht nehmen, im Jahre 2001 auch auf den Halloween-Zug aufzuspringen, allerdings im direkten Vergleich mit Bottrop in einem eher zögerlichen Umfang. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Holiday Park, der seit 2003 seinen "Schocktober" präsentiert - allerdings verfolgt der pfälzische Park dieses Event mit weitaus höherer Konsequenz als der Heide-Park und hat es im Laufe der Jahre geschafft, sich neben dem Movie Park und dem Europa-Park als drittgrößte Halloween-Veranstaltung zu etablieren.

Doch damit nicht genug der Kürbistage – auch andere Parks wollen sich immer stärker den Oktober vergolden lassen. LEGOLAND Deutschland, Skyline Park und jetzt auch das Fort Fun sind nur weitere Beispiele, wo kleinere Events zu Halloween veranstaltet werden in der Hoffnung, den etablierten Gruselevents ein paar Besucher abzunehmen. Auch der Europa-Park, ansonsten immer betont familienfreundlich, schickt seit drei Jahren den Sänger Marc Terenzi ins Rennen, der in Rust am Abend ein alles andere als jugendfreies Horror-Spektakel zündet. Halloween ist im Oktober allgegenwärtig – sogar Zoos, durch einen niedrigen Mehrwertsteuersatz staatlich geförderte Bildungseinrichtungen, packen ihre Kürbisse aus und versprechen gruselige Nächte im Reich der Tiere.

Gab es noch am Anfang des Halloween-Overkills Proteste kirchlicher Gruppen oder skandalträchtige Fernsehbilder eines elektrischen Stuhls, ist der Horror im Oktober längst zu einem Massenphänomen geworden. Nur der Hansa-Park an der Ostsee trotzt seit Jahren beharrlich dem Geisterspuk und setzt in dieser Jahreszeit lieber auf sein traditionelles romantisches Lichterfest mit viel Gefühl und einem zauberhaften Feuerwerk am Abend. Und er wird vielleicht zum nächsten Trendsetter erklärt, wenn sich der Zuschauer an den Gerichtsshows....pardon, an den Halloween-Events satt gesehen hat.



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Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Mike Vester

Mike Vester beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema Freizeitparks / Kirmes und gehört heute zu den wichtigsten Autoren der Parkscout-Fachredaktion. Sein Hang zu Polemik und Übertreibungen ist zwar legendär, aber wer genau hinhört, merkt schnell, daß er mit seinem Motto "zeitlos, stillos, geschmacklos" zwischen den Zeilen immer genau den Punkt trifft. Der frühere Kleinkunst-Texter ist überzeugter Fan von allem, was mit dem Thema "Disney" zu tun hat und läßt dies auf seine liebenswert schrullige Art auch sicherlich öfter in seine Kolumne einfließen. In diesem Sinne also: Immer vester druff...

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