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17.08.2026 | Magazin | Freizeitparks

Immer vester druff... Weg mit Star Wars!


Auf dem diesjährigen D23-Event von Disney wurde für Disneyland Paris verkündet, was die Fans der französischen Mäuse-Dependance in den nächsten Jahren erwarten dürfen. Machen wir es kurz: Außer der bereits länger angekündigten Wassserbahn zum Thema "König der Löwen" eigentlich nur eine neue Parade, was den meisten vermutlich inzwischen nur noch ein müdes Gähnen entlocken dürfte – an dieser Stelle sei ein dezenter Hinweis gestattet: Die letzte neu gebaute Attraktion in Disneyland Park ist nun bereits über 20 Jahre alt. Allerdings gibt es da tatsächlich noch eine Kleinigkeit, die das Herz eines jeden Fans höher schlagen dürfte: Star Wars Hyperspace Mountain wird sein zehn Jahre dauerndes Gastspiel Ende 2027 endlich wieder beenden – und der Grund zaubert ein breites Grinsen in mein Gesicht!

Drehen wir einmal die Zeit zurück bis zum Jahre 1995: Das chronisch unter einer zu niedrigen Anzahl an Gästen leidende Disneyland Paris wollte mit einer neuen Achterbahn dafür sorgen, dass sich die schwierige finanzielle Lage des Resorts etwas entspannt. Angesichts des gewaltigen Nationalstolzes der Franzosen entschied man sich für ein entsprechendes Thema, das für eine wachsende Besucherzahl sorgen sollte: Statt wie in den anderen Disney-Parks mit generischer Science-Fiction zu arbeiten, wurde der neue "Space Mountain", der übrigens ursprünglich "Discovery Mountain" heißen sollte, zur Heimat von Jules Verne und einem seiner bekanntesten Romane: De la Terre à la Lune – von der Erde zum Mond.

Früher war mehr Konfetti!

Im Wartebereich gab es Hinweise auf die große Weltausstellung von 1889 in Paris, die Züge wurden mit der riesigen Columbiad-Kanone in den Weltraum geschossen, wo nicht nur eine wilde Fahrt auf die Besucher wartete, sondern auch eine Verbeugung vor dem französischen Filmemacher Georges Melies und seiner berühmten Verfilmung des Stoffes aus dem Jahre 1902 mitsamt seines ikonischen Mondes. Der tolle Onboard-Sound von Komponist Steve Bramson tat sein übriges, dass diese Attraktion bis in alle Ewigkeit tief in den Herzen der Fans verwurzelt blieb. Wer auch immer auf die Idee kam, das Jules-Verne-Thema aus der Bahn zu entfernen und die Achterbahn im Jahre 2005 als "Space Mountain: Mission 2" als verschandelte Neufassung zu eröffnen, ist nicht überliefert, aber die betreffende Person sollte heute immer noch eine Eselsmütze auf dem Kopf tragen müssen.

Über diesen völlig misslungenen Versuch, das Thema der Bahn für ein jüngeres Publikum interessanter zu machen, hüllen wir besser das Mäntelchen des Schweigens – die Idee war genauso erfolgversprechend wie das Konzept, die Wagen bei der Indiana-Jones-Achterbahn rückwärts fahren zu lassen. Aber es sollte ja noch eine weitere Umgestaltung auf dem Plan stehen: Nach dem großen Erfolg von Star Wars Episode VII dachte man wohl, den neuen heiligen Gral der Themenparks gefunden zu haben und stürzte sich anlässlich des 25. Geburtstags des Resorts erneut auf Space Mountain, um ihn diesmal in den Krieg der Sterne zu stürzen. Jetzt passte zwar endgültig nichts mehr bei der Bahn, die ihre Vorläufer nicht verleugnen konnte, zusammen, aber man glaubte wohl, dass eines der beliebtesten Franchises aller Zeiten die Besucher in Massen anziehen würde.

Flop nach Flop

Nachdem die beiden folgenden Filme der Sequel-Trilogie von den Fans verrissen wurden und Disney mit fatalen Fehlentscheidungen bei den Serien für weiteren Unmut sorgte, war der vorerst letzte Kino-Ausflug von Star Wars mit "The Mandalorian and Grogu" ein veritabler Flop. Mit anderen Worten: Zumindest aktuell ist das Franchise gegen die Wand gefahren worden. Ob dies bei der Entscheidung, den Sternenkrieg in Rente zu schicken, eine Rolle gespielt hat, weiß ich natürlich nicht – aber es wäre zumindest nicht von der Hand zu weisen. Die Frage ist nur: Was kommt jetzt danach? Und hier gab es bei der D23 eine faustdicke Überraschung: Das neue Motto lautet jetzt: Back to the Roots!

Die Reise zum Mond soll also wieder zurück kommen – mitsamt Jules Verne, dem remasterten Original-Soundtrack von Steve Bramson, erneuertem Wartebereich, den alten Effekten beim Abschuss mit der Kanone ins Weltall und neuen Effekten im Inneren. Dies hört sich umso bemerkenswerter an, als dass im Schwesterpark nebenan alles "amerikanisiert"wurde und man alle Spuren des europäischen Kinos entfernt hat, was ich an dieser Stelle mehr als bedauerlich finde. Ob die Rückkehr zum "alten" Discoveryland nun auch langfristig andere Teile betrifft, kann man natürlich noch nicht sagen, aber zu hoffen wäre es. Ich jedenfalls würde eine Rückkehr des Visionariums, der alten Gestaltung der Nautilus und von "Captain EO" feiern. Und wer weiß: Vielleicht bekommt dieser Teil des Parks, der heute völlig konzeptlos und wirr daherkommt, endlich wieder seine Seele und seine Bestimmung zurück.


Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Mike Vester

Mike Vester beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema Freizeitparks / Kirmes und gehört heute zu den wichtigsten Autoren der Parkscout-Fachredaktion. Sein Hang zu Polemik und Übertreibungen ist zwar legendär, aber wer genau hinhört, merkt schnell, daß er mit seinem Motto "zeitlos, stillos, geschmacklos" zwischen den Zeilen immer genau den Punkt trifft. Der frühere Kleinkunst-Texter ist überzeugter Fan von allem, was mit dem Thema "Disney" zu tun hat und läßt dies auf seine liebenswert schrullige Art auch sicherlich öfter in seine Kolumne einfließen. In diesem Sinne also: Immer vester druff...

© parkscout/MV