15.04.2013 | Kolumnen | Freizeitparks

Sorgenkind Shows


Shows in Freizeitparks sind immer ein heikles Thema, da sie nur allzu oft zu den Sorgenkindern der Freizeitparks zählen – sowohl national als auch international. Die Gründe liegen zum einen sicherlich an den recht hohen Kosten für qualitativ hochwertige Produktionen, die den Materialwert eines Freizeitparks im Gegensatz zu festen Attraktionen nicht steigern und somit keine direkte Investition in den eigentlichen Park darstellen.

Zum anderen ist es außerdem schwierig, die Bedürfnisse der unterschiedlichen Altersklassen und das Bildungsniveau der Besucher auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen – und wenn dann auch noch eine höhere Anzahl von fremdsprachigen Gästen zu verzeichnen ist, wird es noch ungleich problematischer. Doch leider gilt hier wie so oft: Wer es allen recht machen will, macht eben leider vieles falsch. Ob es nun zwei unlustige Clowns in einer Variete-Show im Süden sind, die mit ihren prepubertären Witzchen höchstens Kleinkinder zum Schmunzeln bringen oder die Neuauflage einer Stunt-Show im Westen, die ebenfalls mit grenzdebilen Späßchen versucht, die Schwächen der Darbietungen zu vertuschen: Die Shows sind häufig weder Fisch noch Fleisch und versuchen, den fast unmöglichen Spagat zwischen kindgerechter Präsentation und Unterhaltung, an der auch Erwachsene ihren Spaß haben.

Fragen über Fragen ...

Warum muss eine Stunt-Show zwangsläufig eine Story haben? Und warum muss diese immer so dünn sein, dass ihr Inhalt auf einem Bierdeckel Platz hätte? Wo steht geschrieben, dass eine Produktion egal welcher Art grundsätzlich witzig sein muss? Und warum bewegen sich die Gags meistens auf dem Niveau eines durchschnittlichen Kasperle-Theaters? Kein Gast wird in einem Freizeitpark eine Show in der Qualität des Cirque du Soleil erwarten – aber muss er sich denn wirklich mit einem Dummen August, schlechten Sängern oder Artistik auf Kindergeburtstags-Niveau abspeisen lassen? Natürlich sind die Kosten, wie bereits erwähnt, recht hoch – aber dann bleibt die Frage, ob man nicht Qualität vor Quantität setzen sollte. Das Phantasialand bietet als zweitgrößter Freizeitpark in Deutschland "nur" drei größere Shows (die neue Kinder-Show und Open-Air-Darbietungen mal ausgenommen), die dafür aber auch allesamt auf allerhöchstem Niveau spielen und so manche Produktionen auf dem freien Markt ausstechen können.

Denn eine Show ist mitnichten nur eine willkommene Gelegenheit für eine kleine Pause zwischen den Attraktionen, wenn man sich mal für ein halbes Stündchen hinsetzen will. Wenn die Qualität bei dem, was dort geboten wird, nicht stimmt, wird der Gast gelangweilt, verärgert oder im schlimmsten Fall sogar beides sein, was sich wiederum negativ auf die allgemeine Besucherzufriedenheit auswirkt. Einer der wichtigsten Eckpfeiler bei Disney ist nicht umsonst das Entertainment mit seinen Paraden, Feuerwerken und Shows – hier werden Unsummen in Emotionen investiert, die sich unter anderem auch in den Einnahmen der Shops bemerkbar machen dürften, denn bei emotionalisierten Gästen sitzt das Geld gerne lockerer.


Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Mike Vester

Mike Vester beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema Freizeitparks / Kirmes und gehört heute zu den wichtigsten Autoren der Parkscout-Fachredaktion. Sein Hang zu Polemik und Übertreibungen ist zwar legendär, aber wer genau hinhört, merkt schnell, daß er mit seinem Motto "zeitlos, stillos, geschmacklos" zwischen den Zeilen immer genau den Punkt trifft. Der frühere Kleinkunst-Texter ist überzeugter Fan von allem, was mit dem Thema "Disney" zu tun hat und läßt dies auf seine liebenswert schrullige Art auch sicherlich öfter in seine Kolumne einfließen. In diesem Sinne also: Immer vester druff...

© parkscout/MV

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