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29.06.2026 | Magazin | Kolumnen | Freizeitparks

Toverland, das war nichts!


An diesem Wochenende feierte das Toverland in den Niederlanden seinen 25. Geburtstag und dachte sich wohl im Vorfeld, dass eine normale Party zu gewöhnlich für diesen Anlass wäre. Stattdessen plante man ein Event, wie man es hierzulande noch nie gesehen hat: eine 25-Stunden-Öffnung mit großartigen Programmpunkten und jeder Menge Magie. So las es sich zumindest auf dem Papier. Dass es dann doch komplett anders kam, war natürlich auch den schwierigen Wetterbedingungen mit bis zu 40 Grad Außentemperatur geschuldet – allerdings zeigte der Park auch, dass er das Event komplett falsch eingeschätzt hatte.

Wir selbst sind gegen 21 Uhr angereist und hatten ursprünglich vor, die Nachtöffnung des Parks bis 5 Uhr morgens zu nutzen und danach wieder zurück nach Deutschland zu fahren. Das Abenteuer begann dann bereits mit der Anfahrt auf dem Zufahrtsweg zum Parkplatz, der so staubig war, dass man teilweise das Gefühl hatte, sich mitten in der Rallye Paris-Dakar zu befinden. Ebenso trocken war schließlich die Wiese, auf der man sein Auto abstellen sollte – eine mutige Entscheidung angesichts der herrschenden Trockenheit. Aber: No Risk, no Fun! Schließlich wurden am späteren Abend ja auch noch Feuerwerkskörper in die Luft geschossen – wenn da ein Funke übergesprungen wäre, hätte das sicher einen tollen Knalleffekt zum Finale gegeben. Blieb aber aus - Glück für die Versicherung!

Parade bei Hitze

Der Park hatte sein Programm offenbar vor geraumer Zeit fest geschnürt und hatte dies auch, wo es nur ging, gnadenlos durchgezogen. Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass die Parade am frühen Abend bei der Hitze ausgefallen war, um die Mitarbeiter zu schonen. Verständnis dafür hätten sicherlich die meisten Besucher gehabt. Stattdessen konnte man sich Videos anschauen, wie die Character nicht nur in ihren Kostümen durch den Park zogen, sondern dabei auch noch tanzen durften. Auch die angekündigte Maze wurde zunächst bespielt. Erst als es wohl einigen Darstellern nicht mehr ganz so gut ging, wurde eine Pause eingelegt.

Kurz nach der Ankunft kamen wir auf die glorreiche Idee, etwas zu essen und zu trinken. Wir kannten ja bereits aus verschiedenen anderen Events des Parks die zahlreichen Outlet-Buden, mit denen der Andrang halbwegs bewältigt wurde. Aus einem unerklärlichen Grund hat man diesmal völlig darauf verzichtet und zu allem Überfluss auch noch Teile der vorhandenen Gastronomie vor Mitternacht geschlossen. Wer am Katara Plaza einen Burger essen wollte, musste etwa eine Stunde darauf warten – in einer Hitzeglocke unter dem Strohdach des Food Courts. Getränke gab es zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch relativ schnell am Stand für Kaffee und Kuchen. Wir haben uns dann kurzerhand entschieden, im Service-Restaurant des Parks etwas zu essen, dessen Service dann daraus bestand, ein bestelltes Getränk gar nicht erst zu bringen, aber es auf die Rechnung zu setzen. Über 8 kleine Bitterbällchen für fast 10 Euro reden wir gar nicht – Gerichte mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis wurden vorsorglich gleich von der Karte genommen. Dass es hier um 23:30 Uhr auch schon hieß "Letzte Runde" wunderte dann eigentlich auch nicht mehr.

Nichts zu trinken

Das Feuerwerk haben wir dann nur am Rande mitbekommen – war uns aber auch egal, da wir die Toverland-Feuerwerke kennen und da auch Besseres gewohnt sind. War bestimmt für viele Besucher ganz toll, uns hat es hingegen nicht gereizt. Spannend wäre hingegen die Silent Disco gewesen, allerdings war die Warteschlange für die Kopfhörer hier jenseits von Gut und Böse, und da das ganze ohnehin nur bis Mitternacht gehen sollte, sind wir wieder zurück zum Katara Plaze gegangen. Durch das fehlende Getränk im Restaurant bekam man langsam auch schon einen trockenen Hals – also wieder zum Stand für Kaffee und Kuchen. Dort waren allerdings die Rolladen schon halb herunter gelassen und auch das mehrfache Dagegenschlagen von zwei wütenden Gästen bewegte den Park nicht dazu, hier noch etwas zu verkaufen. Die Schlange für die Burger reichte inzwischen bereits schon aus der Plaza heraus und kreuzte die Schlange für das Eis, das immer noch munter weiter verkauft wurde. Merke: Wer etwas trinken möchte, soll sich gefälligst einen Swirl kaufen und den schmelzen lassen, bis er zum Milchshake wird. Naja …

Als klar war, dass man hier nicht mal eben eine Cola bekommen wird, haben wir uns auf den Weg in die zweite Halle des Parks gemacht, wo uns ebenfalls geschlossene Rolladen anlachten. Das "Essen aus der Wand" war verriegelt und überall suchten Besucher nach irgendwelchen Möglichkeiten, an etwas zu essen und vor allem zu trinken zu kommen. Wie gut, dass wenigstens der Biergarten in der Halle hell erleuchtet war und ein Mitarbeiter hinter der Theke munter Gläser putzte. Unser Wunsch nach einem Kaltgetränk wurde jedoch nur mit einem lapidaren "Geschlossen" erwidert. Also wieder zurück zur Katara Plaza. Hier erfuhren wir dann von den Damen unserer Gruppe, dass es auf den Toiletten bereits einen Klopapier-Notstand gab – vielleicht hätten sie sich vor dem Gang in die sanitären Anlagen einfach bei einem der Papp- und Papierhäufchen bedienen sollen, die einem aus den Mülleimern des Parks neben Fliegen und Ungeziefer entgegenwehten, da die Behältnisse bereits so überquillten, dass der Unrat schon darauf und daneben drappiert wurde.

Abgesagte Programmpunkte

Einer der Hauptpunkte für das Nachtprogramm war schließlich ein Lasertag gegen Vampire. Diese waren allerdings wohl damit beschäftigt, die Mitarbeiter auszusaugen, da langsam aber sicher die Gastronomie und die Shops geschlossen wurden und kaum noch Angestellte auszumachen waren. Jedenfalls wurde das Lasertag abgesagt, da man es im Gegensatz zur 40-Grad-Parade am Nachmittag scheinbar zu gefährlich fand, die untoten Gesellen in der Nacht bei halbwegs kühlen 25 Grad und einem lauen Lüftchen abschießen zu lassen. Dafür durften ein paar von ihnen tanzen, während andere als Zielscheibe in der elektrischen Pferdereitbahn im trojanischen Themenbereich dienen sollten. Laut App betrug die Wartezeit für dieses Vergnügen dann kurz nach der Öffnung 90 Minuten. A propos App: Eigentlich hätte man mit der App auch sein Essen bestellen sollen – hat nur nicht funktioniert. Eigentlich hätte man in der App auch die aktuellen Wartezeiten sehen sollen – hat zumindest am Abend ebenfalls nicht funktioniert. Zumindest wurde aus einem 15 Minuten in der App ein 70 Minuten am Eingang von Fenix. Und aus einem 10 Minuten beim Booster Bike wurde dann ein "Geschlossen" am Eingang.

Nachdem dann um 1:30 Uhr klar war, dass man keine Getränke und auch kein Essen mehr ohne indiskutable Wartezeiten bekommen würde und sich eine größere Gewitterfront näherte, haben wir uns dann entschieden, dieses "magische" Event zu verlassen. Im Nachhinein eine weise Entscheidung, da der folgende Sturm nicht nur einen Lichtmast im Eingangsbereich gekillt hatte, sondern auch irgendwann fast alles irgendwie geschlossen war. Es gibt Videos aus der ersten Halle, die wie ein Film aus einem Flughafen wirken, bei dem alle Flüge bis auf unbestimmte Zeit gestrichen worden sind – nebst teilnahmslos wirkenden Gesichtern der Gäste. Dass dann nachts kaum noch Mitarbeiter im Park waren, die für Ordnung gesorgt hätten, ist dann die Kirsche auf der Torte.

Fazit

Abschließend können wir nur zu dem Schluss kommen: Liebes Toverland, das war nichts! Also so rein gar nichts!! Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht, und hier gab es einfach dermaßen viele organisatorische wie auch Kommunikations-Probleme, die niemals hätten auftauchen dürfen. Wenn man keine für ein solches Vorhaben nötige Personaldecke hat, dann sollte man so etwas auch nicht anbieten. Der Park wollte viel. Zu viel! Die Leidtragenden sind die Besucher, die nicht das bekommen haben, was ihnen versprochen wurde. Die Leidtragenden sind die Mitarbeiter, die ganz ohne Zweifel ihr Bestes gegeben haben, aber gegen die Fehlentscheidungen des Managements nichts ausrichten konnten. Und der Leidtragende ist letztlich auch der Park, der von seinem positiven Image einiges eingebüßt haben dürfte. Wir haben jedenfalls mehr als einmal gehört, dass man das Toverland in Zukunft nicht mehr besuchen werde. Schade, wirklich schade ...


Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Mike Vester

Mike Vester beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema Freizeitparks / Kirmes und gehört heute zu den wichtigsten Autoren der Parkscout-Fachredaktion. Sein Hang zu Polemik und Übertreibungen ist zwar legendär, aber wer genau hinhört, merkt schnell, daß er mit seinem Motto "zeitlos, stillos, geschmacklos" zwischen den Zeilen immer genau den Punkt trifft. Der frühere Kleinkunst-Texter ist überzeugter Fan von allem, was mit dem Thema "Disney" zu tun hat und läßt dies auf seine liebenswert schrullige Art auch sicherlich öfter in seine Kolumne einfließen. In diesem Sinne also: Immer vester druff...

© parkscout/MV

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