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Bitte beachten: Dieses ist ein klassischer Parkscout-Artikel, der bestmöglichst an das neue Layout angepasst wurde
08.08.2008 | Musicals und Shows | Magazin

FlicFlac: Underground


Das Todesrad
Eine junge Dame in einem dünnen Kleid betritt barfuß die Bühne, tänzelt und zündet dabei mehrere Streichhölzer an – nein, dies ist keine Neuinszenierung von Christian Andersens Märchen "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern", sondern der Auftakt des neuen Programms "Underground" von FlicFlac. Und hat der Besucher es sich angesichts dieses zauberhaften Bildes auf seinem Stuhl so richtig bequem gemacht, schreckt er Sekunden danach garantiert erst einmal in die Höhe.

Die Streichhölzer entzünden nämlich auf der Zirkus-Bühne gewaltige Feuer-Kaskaden, deren heiße Luft noch in den hintersten Reihen zu spüren ist. Alle Artisten, die im Laufe der Show noch zu sehen sein werden, stehen zu diesem Zeitpunkt bereits mitten im Geschehen, im Hintergund steht ein riesiges Herz, das lichterloh in Flammen steht, und aus den Lautsprechern ertönen mit einer Leistung von mehr als 10.000 Watt die ersten Klänge von "Mein Herz brennt" der deutschen Band Rammstein. Fulminanter kann ein Show-Beginn kaum sein – willkommen im Untergrund!

Und spätestens jetzt wird klar, warum FlicFlac so einzigartig, innovativ und avantgardistisch ist: hier gibt es keine opernhafte Fantasy-Inszenierung a la Cirque du Soleil, keine Plüsch-Romantik im Stile von Roncalli, keine Tierdressuren. Hier gibt es Schweiß, Erotik, Adrenalin und Tempo! Gleich mit der ersten Nummer setzt "Underground" die passende Markierung: wo anderenorts junge Frauen in wehenden Kleidern am Vertikalseil poetische Kunststückchen präsentieren, tauscht Roman Konanchuk einfach das Seil gegen eine stählerne Kette und läßt seinen mit Öl und Schmutz verschmierten Körper durch die Luft wirbeln – ohne Netz und doppelten Boden.

Diese "Endzeit-Optik" setzt sich weiter fort durch große Teile von "Underground". So erinnert eines der Highlights, der "Globe of Speed", bei dem sechs Mottorradfahrer gleichzeitig mit bis zu 60 Stundenkilometern durch eine Stahlkugel mit einem Durchmesser von nur knapp sechs Metern donnern, nicht von ungefähr an ein "Mad-Max-Szenario". Die jungen Damen, die in ihren knappen Leder-Outfits um den Globe herumstehen, sind dabei nicht nur hübsche Staffage, sondern verstärken diesen Eindruck noch – der Thunderdome läßt grüßen. Eine ähnliche Wirkung hat auch das Todesrad, eine Paradedisziplin von FlicFlac, bei dem die beiden Kolumbianer Tito Vanegas und William Patino in einer Art doppeltem Hamsterrad die Grenzen der Physik scheinbar mühelos aushebeln.

Der Globe of Speed
Nicht weniger temporeich sind die Nummern von Roman Simonenko, Yury Yakovenko, Sergey Bogomazov, Andey & Sergey Lazakenko am Trampolin und am High Bar. Zu den wummernden Bässen von Rammstein springen, hüpfen und fliegen die fünf Russen taktgenau über die Bühne. Spätestens hier zeigt sich, daß die Auswahl der Musik ein Glücksgriff war – Sound, Optik und Aktion verschmelzen zu einem großen Ganzen, das eine außerordentlich fesselnde Wirkung erzielt. Doch auch in den eher ruhigeren Passagen kann "Underground" voll und ganz überzeugen. Julia Galenchyk schwebt bei einer Netznummer in ihrem nietenbesetzten Outfit wie eine Art Engel aus Lack und Leder über dem Boden, Larissa Kastein kombiniert in einer außergewöhnlichen Form Handstandartistik, Wasser und Laszivität, der Kontorsionist Saidou Conde aus Guinea treibt die Kunst, seinen Körper zu verbiegen, auf die Spitze und verdreht seine Knochen und Gelenke derart, daß es einem schon beim bloßen Hinschauen selbst weh tut.

Melancholisch wird es bei der BMX-Nummer von Dave Blundell – auch wenn sich dies sicherlich nicht jedem Zuschauer erschließen wird: über der Bühne hängt hier nämlich als Tribut ein großes Portait des Hochseilartisten Marcos Daza, der 2007 bei einem Unfall ums Leben kam. Auf der anderen Seite zeigt das Bild einen guten Freund, Gill Antares, der vor zwei Jahren in Paris verunglückte und dem die Tour vor dem Tode von Daza gewidmet war. Musikalisch begleitet wird das ganze von den Böhsen Onkelz mit dem Song "Nur die Besten sterben jung" – wer die Hintergründe kennt, dem läuft es bei diesem Auftritt eiskalt den Rücken hinunter!

Feuer und Wasser
Besonders bemerkenswert ist diesmal das Finale ausgefallen, das von Ira Rizaeva eingeläutet wird. Zu diesem Zeitpunkt steht die Bühne bereits komplett unter Wasser – rund 25.000 Liter verwandeln die Manege in einen riesigen Pool, in dem die Ukrainerin mit Feuerbällen jongliert und das Wasser dabei in einen See aus Flammen verwandelt. Zum Schluß betreten noch einmal alle Artisten die Bühne, veranstalten eine riesige Strandparty, waschen sozusagen den Schmutz der Unterwelt ab und entlassen die begeisterten Zuschauer wieder in das Hier und Jetzt.

Mit "Underground" hat sich FlicFlac wieder einmal selbst übertroffen! Die kraftvolle Inszenierung, die originellen Kostüme, die immer passende Musikuntermalung, die ausnahmslos hohe Qualität der artistischen Leistungen und die Feuer- und Wassereffekte lassen die zweistündige Reise in den Untergrund wie im Flug vergehen. Jeder Zirkus, der in Deutschland gastiert, muß sich weiterhin an FlicFlac messen lassen – und die Meßlatte wird von Programm zu Programm immer höher! Umso erstaunlicher erscheint hier die Preispolitik – die Eintrittskarten für die beste Kategorie schlagen gerade einmal mit 39,50 Euro zu Buche: das ist nur ein Drittel von dem, was viele andere hochgehypte Produktionen, die noch nicht einmal ansatzweise die Qualität von "Underground" erreichen, von den Zuschauern verlangen. Günstigere Karten sind sogar schon ab 15,50 Euro erhältlich. Es gibt also keine Ausreden: wer sich auch nur ansatzweise für Artistik interessiert, sollte FlicFlac einen Besuch abstatten. Bis zum 17.08.2008 ist dies noch in Düsseldorf möglich, danach geht es nach Bielefeld, Hamburg, Hannover und Mainz. Alle weiteren Informationen finden Sie auf der Homepage von FlicFlac unter www.flicflac.de.

PS: Besuchen Sie unbedingt einmal die Toiletten von FlicFlac - es lohnt sich!




© parkscout/MV, Bilder: FlicFlac

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