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Bitte beachten: Dieses ist ein klassischer Parkscout-Artikel, der bestmöglichst an das neue Layout angepasst wurde
04.12.2009 | Musicals und Shows | Magazin

Hairspray: In Köln wird's haarig


Uwe Ochsenknecht und Leon van Leeuwenberg
Wir schreiben das Jahr 1962. In Baltimore im US-Bundesstaat Maryland träumt die stark übergewichtige Tracy Turnblad von einer Rolle in der vor allem bei den Jugendlichen angesagten „Corny Collins Show“. Gegen den Widerstand ihrer Mutter bewirbt sie sich dennoch für die von der Firma UltraClutch Hairspray gesponserte Fernsehsendung und muss bald erkennen, dass die Managerin des TV-Senders nicht nur hinter den Kulissen intrigiert und manipuliert, um ihre eigene Tochter bei der anstehenden Wahl der „Miss Teenage Hairspray“ zur Siegerin küren zu können, sondern auch von starken Vorurteilen gegen die schwarze Bevölkerung geprägt ist ...

So beginnt die auf der Verfilmung von Kult-Regisseur John Waters aus dem Jahre 1988 basierende Deutschland-Premiere des Broadway-Erfolgs „Hairspray“, die seit diesem Monat im Musical Dome Köln für gute Laune sorgt. Zu verdanken ist dies neben den schmissigen Songs aus der Feder von Marc Shaiman und Scott Witman (deutsche Übersetzungen: Heiko Wohlgemuth) sowie dem schrägen Humor vor allem der erstklassigen Besetzung, die vor lauter Spielfreude auf der Bühne zu explodieren scheint.

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Maite Kelly
Die Rolle von Tracys Mutter wird – wie in den beiden Verfilmungen des Stoffs – auch in Köln von einem Mann gespielt. Nach Divine (1988) und John Travolta (2007) darf nun Uwe Ochsenknecht auf der Bühne des Musical Dome die mit Figurproblemen behaftete, gutmütige und dennoch resolute Edna Turnblad geben. Und der 53jährige Hesse hat sichtbar einen Mordsspaß daran, mit geschminktem Gesicht und in Frauenkleidern hinter dem Bügeltisch zu stehen. Leon van Leeuwenberg spielt als Ednas Mann Wilbur mit seinen schlacksigen Bewegungen den passenden Gegenpart. Neben Daniel Berini, der die eher undankbare Rolle von Tracys Schwarm Link Larkin verkörpert und Rob Fowler als TV-Star Corny Collins herrscht in „Hairspray“ allerdings hauptsächlich Frauenpower.

Vor allem Maite Kelly als Tracy Turnblad entpuppt sich als echter Glücksgriff für die Produktion. Genau wie die Hauptfigur des Musicals musste sich die 30jährige in ihrer langen Bühnenkarriere auch gegen zahlreiche unberechtigte Anfeindungen behaupten – und genau wie Tracy steht sie nun als strahlende Siegerin auf der Bühne. Ihr leicht nasaler Gesang passt perfekt zu ihrer Rolle, ihr komödiantisches Talent ist ständig präsent und in den nicht gerade einfachen Tanzeinlagen überrascht sie mit unbändiger Energie und punktgenauer Choreographie. Aber auch Jana Stelley als Tracys Busenfreundin Penny Pingleton zieht bei „Hairspray“ alle Register ihres Könnens. Schon bei „Wicked“ stellte sie in Stuttgart als alternierende Besetzung der Glinda die Erstbesetzung Lucy Scherer in den Schatten, aber in Köln hat sie eine derart starke Bühnenpräsenz, dass man seine Augen kaum von ihr abwenden mag aus Angst, eine ihrer zahlreichen mimischen Meisterleistungen zu verpassen.

Schick in Gelb: Nicole Berendsen
Die beiden Niederländerinnen Nicole Berendsen und Tineke Ogink als intrigante TV-Managerin Velma von Tussle und deren egomanische Tochter Amber legen sich ebenfalls mächtig ins Zeug. Berendsen wirkt mit ihrer schrillen Art wie eine Reinkarnation der großen deutschen Komödiantin Gisela Schlüter und Ogink brilliert als kleines Biest im Barbie-Look. Im Gedächtnis bleiben auch die kurzen, aber nachhaltig wirkenden Auftritte von Sarah Schütz, die nicht nur Penny Pingletons neurotische Mutter spielt, sondern auch als sadistisch angehauchte Sportlehrerin oder skurille Gefängniswärterin zu sehen ist. Die US-Amerikanerin Deborah Woodson verzaubert bei ihren Songs als Motormouth Maybelle den ganzen Saal mit ihrer kräftigen Stimme, ist allerdings aufgrund ihres starken Akzents nicht immer ganz verständlich.

Das Bühnenbild weicht kaum von dem Broadway-Original ab und lässt den Darstellern aufgrund fehlenden Schnickschnacks genügend Raum für ihr Spiel, ohne von der Handlung abzulenken. Die Tanzeinlagen sind perfekt choreographiert und auch das zwölfköpfige Orchester leistet sich keinerlei Schwächen. Wer bei „Hairspray“ nach dem Haar in der Suppe sucht, wird wohl enttäuscht sein: die Deutschland-Premiere ist in jeder Hinsicht überzeugend und eine willkommene Bereicherung für die hiesige Musical-Szene - davon zeugen auch die Standing Ovations und Jubelrufe bei der Vorpremiere am 4. Dezember. Alle weiteren Informationen finden Sie im Internet unter www.hairspray.de.



© Parkscout/MV, Bilder: copyright Nilz Böhme

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