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20.09.2011 | Freizeitparks | Kolumnen

Virtuelles Warten zu Halloween


In den gerade veröffentlichten neuen Informationen über das Halloween Horror Fest im Movie Park Germany hat sich eine kleine Bombe versteckt, die im Oktober zweifellos zu einigen Irritationen bei den Gästen führen könnte. Seit Beginn der Saison gibt es in dem Filmpark das sogenannte "TiM"-System, eine Art Tamagotchi aus Plastik, mit dem man sich an den meisten Attraktionen virtuell anstellen kann.

Man gibt in das Gerät ein, welche Achterbahn oder welche Themenfahrt man gerne besuchen möchte und bekommt von dem "TiM" dann eine Meldung, wenn man an der Reihe ist. Der Vorteil liegt auf der Hand: Während sich das Gerät stellvertretend an der Attraktion anstellt, kann man in der Zwischenzeit etwas anderes machen und vergeudet seine wertvolle Zeit nicht in den Warteschlagen. Zwar ist dieser Service kostenpflichtig und schlägt mit 15 EUR zu Buche, aber an vollen Tagen kann ein solches System, das unter anderem Namen auch in vielen anderen Parks weltweit eingesetzt wird, sehr hilfreich für eine Zeitoptimierung sein. Natürlich ist die Anzahl solcher "TiMs" limitiert, und im Normalfall werden Nutzer eines solchen Systems vom Tagesgast kaum wahrgenommen. Wenn eine größere Anzahl an attraktiven Attraktionen und eine hohe Gesamtkapazität vorhanden ist, gibt es kaum nennenswerte Wartezeitverlängerungen für die Gäste, die sich diesen Luxus nicht erlauben können oder wollen. Dummerweise hat der Movie Park nun aber beschlossen, dass dieses System auch für die hochfrequentierten Mazes beim Halloween Horror Fest gültig sein soll. Der Großteil der bis zu 25.000 Besucher, die erfahrungsgemäß an den stark besuchten Wochenenden nach Bottrop pilgern, um sich dort zu gruseln, möchte natürlich eines oder mehrere dieser speziellen Horror-Häuser erleben, von denen es insgesamt vier Stück gibt – und dies alles in den vier Stunden, in denen die Mazes geöffnet sind. Die Grundvoraussetzungen für ein System, bei dem man virtuell in der Warteschlange steht, sind hier also negiert: die Anzahl der attraktiven Attraktionen ist stark begrenzt bei gleichzeitig niedriger Kapazität.

Ob der "TiM" nun die Wartezeiten für die restlichen Besucher verlängert oder nicht, ist nicht abschließend geklärt – hierzu gibt es verschiedene Theorien. Was man aber nicht wegdiskutieren kann, ist eine gefühlte Verlängerung der Wartezeiten, zumal vielen Besuchern das Prinzip eines solchen Systems kaum bekannt sein dürfte. In der Realität bedeutet dies also, dass man über zwei Stunden an einer Maze anstehen und dabei beobachten kann, wie sich andere Leute permanent "vordrängeln" - angesichts der ohnehin hohen Wartezeiten an den Mazes eine Situation, die sicherlich ein gewisses Eskalationspotential beinhaltet, zumal viele Gäste auch alkoholisiert sind. Man kann nur hoffen, dass es dem Park gelingt, die Nutzer von "TiM" so an den wartenden Besuchern vorbei zu schleusen, dass diese davon nichts mitbekommen. Ansonsten sind an den Hochtagen Ausschreitungen vorprogrammiert – ein also insgesamt sehr mutiger Versuch, der gewisse Risiken beinhaltet.

Besser wäre es sicherlich gewesen, wenn man die einzelnen Mazes generell aufpreispflichtig gemacht hätte, wie es in den meisten anderen Freizeitparks üblich ist. Zum einen dürften sich dadurch die Gewinne erhöhen, was Investitionen in eine nennenswerte Qualitätssteigerung des Halloween Horror Fest vereinfachen würde. Und zum anderen könnte man durch die Preisgestaltung die Besucherströme besser beeinflussen, was letztendlich nicht nur dem Erlebnis der Gäste zu Gute kommt, sondern auch den Einnahmen des Parks. Die Nutzung des "TiM"-Systems scheint mir hingegen eher ein völlig falscher Schritt zu sein...

Bitte beachten
Die Texte der Kolumnen-Autoren sind deren persönliche Meinung und decken sich nicht zwangsläufig mit der Meinung der Redaktion Parkscout.

Autoreninfo Mike Vester

Mike Vester beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema Freizeitparks / Kirmes und gehört heute zu den wichtigsten Autoren der Parkscout-Fachredaktion. Sein Hang zu Polemik und Übertreibungen ist zwar legendär, aber wer genau hinhört, merkt schnell, daß er mit seinem Motto "zeitlos, stillos, geschmacklos" zwischen den Zeilen immer genau den Punkt trifft. Der frühere Kleinkunst-Texter ist überzeugter Fan von allem, was mit dem Thema "Disney" zu tun hat und läßt dies auf seine liebenswert schrullige Art auch sicherlich öfter in seine Kolumne einfließen. In diesem Sinne also: Immer vester druff...

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